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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen

Kykladen 2013: Amorgos – Apo pu iste?

6 Kommentare

Warum muss die erste Frage der Griechen an alle Touristen eigentlich immer sein: Apo pu iste? Woher kommt ihr? Aber von vorne…

Von Amorgos hatte ich vor unserer Reise die Bilder meiner Eltern aus den späten 70er Jahren im Kopf: Vor allem das spektakuläre an den Felsen gebaute Kloster Chosowiotissa wollte ich unbedingt mit eigenen Augen sehen. Sonst hat sich Amorgos seitdem natürlich sehr verändert, der Tourismus hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Trotzdem ist Amorgos im Juni noch ein ruhiges, entspanntes Fleckchen Erde. Vor allem auf den schönen Wanderwegen begegnet man kaum einer Menschenseele.

Nachdem wir unser Studio mit traumhaftem Blick über die Bucht in den Eleni Rooms in Katapola bezogen hatten, machten wir uns auf, mit dem Wanderführer von Dieter Graf die Gegend oberhalb von Xilokeratidi zu erkunden. Auch wenn Dieter Grafs Wanderführer schon 2007 erschienen ist, hat er uns sehr gute Dienste erwiesen! Man sollte nur immer etwas vorsichtig sein, wenn er von den gut auffindbaren offiziellen Pfaden abweicht, wir standen diesmal wieder etwas hilflos in der Pampa.

Blick auf die Bucht von Katapola

Blick auf die Bucht von Katapola

Im Anschluss kehrten wir in der Taverne Vitzentzos in Xilokeratidi ein. Man sitzt zwar wunderschön unter Tamarisken am Wasser, aber das Essen war etwas enttäuschend. Die Aubergine Imam schmeckte als sei sie schnell gedünstet anstatt lange im Ofen gebacken worden…

Am nächsten Tag wollten wir das Kloster Chosowiotissa besuchen und dies mit einer kleinen Wanderung kombinieren. Da es jetzt im Juni schon ziemlich heiß war und die ersten Busse nach Chora und Aegiali aber erst kurz vor 10 Uhr fuhren, verkürzten wir die meisten Wanderungen etwas, um in der schlimmsten Nachmittagshitze wieder zu Hause zu sein. Wir fuhren daher mit dem Bus bis Xenodochio und wanderten von dort auf der ausgeschilderten Wanderroute Nr. 1 (die vom Kloster bis Aegili führt) zum Kloster. Sie führt auf schönen Eselswegen an der Küste entlang.

Wanderweg zum Kloster Chosowiotissa

Wanderweg zum Kloster Chosowiotissa

Plötzlich blitzte das Kloster in der Ferne aus der Felswand. Beeindruckend wie es am Felsen zu hängen scheint. Wie sie das damals nur geschafft haben zu bauen? Der Mönch erzählte uns später im Kloster, dass der erste Klosterbau durch Mönche aus Palestina entstand, die aus dem ebenfalls an einer Steilküste liegenden Kloster Choseva kamen.

Kloster Chosowiotissa

Kloster Chosowiotissa

Von mehreren mal mehr mal weniger freundlich blickenden Männern wurden wir durch das Koster gelotst. Vor allem der Blick von der Terasse ist traumhaft!

Blick von der Terasse des Klosters Chosowiotissa

Blick von der Terasse des Klosters Chosowiotissa

Am Ende des Rundgangs wurde uns ein Glas Psimeni Raki und ein Lukum angeboten und wir wurden gebeten mit anderen Touristen in einem Raum Platz zu nehmen, in dem ein Mönch die Gäste empfing. Dieser war so humorvoll und gesprächig, dass uns fast der Verdacht kam, das Kloster hätte dafür einen Schauspieler eingestellt.

Auch hier kam natürlich sofort wieder die obligatorische Frage: Woher kommt ihr? Da wir beim letzten Mal, als wir mit Deutschland und Frankreich geantwortet haben, sofort einen Kommentar zur politischen Lage einstecken mussten (da ist es immer praktisch, wenn man auf Griechisch ein „ich mag Merkels Politik nicht“ parat hat…), war ich bei der Antwort diesmal schon etwas zögerlicher. Aber der Mönch lies es dabei nicht bewenden: ob wir denn Studenten seien? Nein, nicht mehr. Was wir denn studiert hätten? Schweigen. Wirtschaft? Schweigen. Ein fragender Blick. Hier komme ich wohl so nicht raus, ok, ich also ganz verlegen grinsend: „Politik“. Großes Gelächter am Tisch…Aber ich arbeite nicht für Merkel…uff, irgendwie waren Griechenlandurlaube auch schon mal einfacher. Vielleicht sollte ich in Zukunft doch nur einfach sagen ich arbeite in einem Büro, das kann ich wenigstens sogar auf Griechisch…

Nachmittags besichtigten wir den hübschen Hauptort Chora, ein Kykladendorf wie aus dem Bilderbuch.

In Chora auf Amorgos

In Chora auf Amorgos

Man merkt, dass sich der Tourismus auf Amorgos erst in den letzten Jahren stärker entwickelt hat, viele Cafes und Tavernen wirken noch sehr neu und haben oft junge BesitzerInnen. Sie erinnern uns oft eher an nette Cafes und Bars in Berlin als an die traditionellen Tavernen, die wir von anderen Inseln kennen.

Taverne in Chora

Taverne in Chora

Den Abend ließen wir mit dem Sonnenuntergang auf unserem Balkon und dem leckeren selbstgemachten Psimeni-Raki unserer Vermieterin Eleni ausklingen. Psimeni-Raki ist ein Likör aus Amorgos, der aus Raki, Honig und Gewürzen hergestellt wird. Elenis Tochter Maria hat uns zum Abschied sogar noch Psimeni-Raki mitgegeben, da er uns so gut geschmeckt hat. Wenn das nicht griechische Gastfreundschaft ist!

Sonnenuntergang vom Balkon

Sonnenuntergang vom Balkon

Psimeni Raki

Psimeni Raki

An unserem dritten Tag auf Amorgos wanderten wir von Chora über das Kloster Valsamitis und Alt Minoa nach Katapola. Das Kloster Valsamitis wird erst seit wenigen Jahren wieder von einer Nonne bewohnt. Sie zeigt gerne die Kirche und empfängt Gäste mit einem Psimeni Raki (uff, schon wieder Alkohol in der Mittagshitze…) und sehr leckeren Lukumades. Sie machte auf uns einen ganz anderen Eindruck als der humorvolle Mönch am Vortag. Schon die Begrüßung war irgendwie seltsam. In einem sehr ernsten Tonfall begrüßte sie uns: „Young people, travelling? Good, you have to make experiences.“ Wer weiß was sie für Erfahrungen in ihrem Leben gemacht hat. Zumindest kam sie erst vor wenigen Jahren aus Athen nach Amorgos und ließ am Leben in der Großstadt kein gutes Haar. Wir freuten uns trotzdem über ihre Gastfreundschaft, auch wenn der ausschließlich mit Geldscheinen gefüllte Teller auf dem Tisch schon sehr explizit war…

Der Weg führt anschließend über Alt Minoa, einer ursprünglich keltisch-minoischen Siedlung. Von den Ausgrabungen ist nur wenig zu sehen, die Beschriftungen inzwischen verwittert, aber der Blick von oben ist fantastisch!

Blick von Alt Minoa auf die Küste

Blick von Alt Minoa auf die Küste

Sonnenuntergang beim Heimweg von Alt-Minoa nach Katapola

Sonnenuntergang beim Heimweg von Alt-Minoa nach Katapola

Abends aßen wir in der Taverna Akri am Hafen von Katapola frisch aus dem Meer gefischte „Garides Saganaki“ (Garnelen mit Tomatensauce und Käse), die so lecker waren, dass wir auch die letzten zwei Abende dem Restaurant treu blieben.

Taverna Akri Katapola

Taverna Akri Katapola

Garides Saganaki

Garides Saganaki

Nebenan spielte immer ein griechisches Mädchen, das sich unbedingt fotographieren lassen wollte. Da ich ja immer etwas Hemmungen habe Einheimische zu fotographieren, habe ich das Angebot gerne angenommen 😉

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Am vierten Tag wollten wir endlich den restlichen Teil des Wanderwegs Nr. 1 über den Höhenrücken von Amorgos nach Aegiali in Angriff nehmen. Mit dem ersten Bus um viertel vor zehn ging es wieder bis nach Xenodochio und von dort auf schönen Eselspfaden bis nach Aegiali. Während des Weges hat man immer wieder traumhafte
Ausblicke auf beide Küstenseiten der Insel. Besonders beeindruckend ist der Blick bei der Kapelle Agios Mamas.

Agios Mamas

Agios Mamas

Während die Nachmittagshitze immer drückender wurde, waren wir froh, die ersten Blicke auf Aegiali zu erhaschen. Die letzten Stufen bergab waren schweißtreibender als wir dachten, aber unten lockt ja der Strand.

Blick auf Aegiali

Blick auf Aegiali

Den Ausflug nach Aegiali nutzten wir auch dazu, uns ein Quartier für die letzten zwei Nächte auf Amorgos zu suchen, da der Wanderweg nach Stavros von Katapola aus mit den aktuellen Buszeiten kaum schaffbar ist. Am Strand sprang uns der blaue Schriftzug „Room“ an einem der Gebäude oberhalb des Hafens ins Auge. Von dort oben müsste man einen schönen Blick auf die Bucht haben. Zwei ältere Damen saßen auf dem Balkon darunter: „Domatio?“, Zimmer? „Ne“, sie führen uns nach oben, ein schlichtes, aber sauberes Zimmer mit Kühlschrank und einem Campingkocher fürs Frühstück. Der Blick von der riesigen Dachterasse ist klasse und 25 Euro erschien uns ein gutes Angebot. Wir wollten uns aber trotzdem noch den Levrossos Strand ansehen, an dem es auch Zimmer geben soll und ihnen später Bescheid sagen. Wie mache ich ihnen das jetzt nur klar-ihr Englisch war schlechter als mein Griechisch – und das will schon was heißen… Ich war ja schon stolz ihnen auf Griechisch erklärt zu haben, dass wir das Zimmer erst ab Samstag für zwei Nächste bräuchten, da wir noch in Katapola sind, aber was in aller Welt heißt „wir müssen noch überlegen und sagen später Bescheid“? Sowas Kompliziertes stand leider nicht in meinem Kauderwelsch Band…Nach längerem Gestikulieren, verstanden sie mich doch und gaben mir ihre Telefonnummer, ich solle sie anrufen.

Blick von der Terasse in Aegiali

Blick von der Terasse in Aegiali

Der Levrossos Strand ist zwar ein wunderschöner Ort, um in der dortigen Bar einen Kaffee zu trinken, als Ausgangspunkt für unsere Wanderungen war es uns aber zu weit entfernt. Also doch schnell bei der Vermieterin des Zimmers im Hafen angerufen, ein Wunder, dass die Reservierung funktioniert hat 🙂

Den ersten Tag in Aegiali wollten wir dazu nutzen über das Dorf Tholaria in das noch recht ursprüngliche Bergdorf Langada zu wandern. Die Wanderung sollte mit der Nr. 4 markiert sein, auf der Karte gab es auch nur einem Monopati, der ungefähr mit der Beschreibung übereinstimmte. Deshalb las ich mir die Beschreibung im Internet nur oberflächlich durch. Das war ein Fehler! Relativ bald verloren sich die Markierungen und bis wir in Tholaria ankamen waren statt einer Dreiviertelstunde schon zwei Stunden vergangen und es blieb vor dem Sonnenuntergang keine Zeit mehr nach Langada zu kommen. Wir waren einen viel großen Kreis gewandert. Egal, morgen ist ja auch noch ein Tag! Und die schönen Blicke auf die Bucht hätten wir sonst auch nicht gehabt.

Blick auf die Bucht von Aegiali

Blick auf die Bucht von Aegiali

Ziege

Ziege

Zum Abschluss unseres Amorgosaufenthalts wollten wir uns noch ein paar besonders schöne Ausblicke gönnen. Die Wanderung nach Stavros führt zur Nordküste, wo die Kliffs fast 700m fast senkrecht ins Meer fallen.

Auf diesen Wegen sind immer noch Esel das einzige Transportmittel

Auf diesen Wegen sind immer noch Esel das einzige Transportmittel

Die letzten 20 Minuten ist der Pfad recht schmal, perfekt für die Bekämpfung meiner Höhenangst…Die halbverweste Ziege, die plötzlich im Weg lag, hätte mich da doch beinahe umkehren lassen. Aber nein, jetzt waren wir ja fast angekommen, meine Neugierde auf den großartigen Ausblick war dann doch stärker. Es hat sich gelohnt! Oberhalb der beeindruckenden Steilküste (die sich leider schlecht fotographieren ließ, da müsst ihr mir einfach glauben), thront die Stravros Kapelle.

Stavros Kapelle

Stavros Kapelle

Auf dem Rückweg machten wir ausgiebig Rast am wunderschönen Koster Ioannis-Theologos, das leider verschlossen war.

Das Kloster Joannis-Theologos

Das Kloster Joannis-Theologos

Zum Abschied endlich unsere erste Fahrt mit der legendären Skopelitis nach Schinoussa.

Die Express Skopelitis

Die Express Skopelitis

Tschüss Amorgos, wir kommen gerne wieder!

Ein letzter Blick auf Aegiali

Ein letzter Blick auf Aegiali

6 Kommentare zu “Kykladen 2013: Amorgos – Apo pu iste?

  1. Ahhhh, ist das sooo schön! Ich bin hin und weg! Am liebsten weg – nach Griechenland 😉
    Vielen Dank für die wundervollen Fotos und fürs Mitnehmen.

  2. Wow, da habt ihr aber ganz schön viel reingepackt, in die Amorgos-Tage! Aber es gibt auch so viele Wandermöglichkeiten. Ich glaube, ich muss da im Herbst auch mal wieder vorbeigucken. 🙂

  3. PS. das mit der Frage nach der Herkunft kenne ich auch. Ziehe schon immer den Kopf ein wenn ich sage „apo tin Jermanía“.
    Aber die Reaktionen sind ganz unterschiedlich: von wüsten Beschimpfungen Angela Merkels (die ich kontere mit „ich hätte sie nicht gewählt“) bis „die macht das genau richtig, die Griechen müssen mal so richtig rangenommen werden“.

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