mangoseele

Vom (vegetarischen) Essen und Reisen


6 Kommentare

Streetfood und andere Leckereien in Mexiko-Stadt

Wer mir auf Instagram oder Facebook folgt, hat es vermutlich mitbekommen. Wir sind Ende letzten Jahres dem beginnenden Winter entflohen und haben rund um eine Hochzeit zwei Wochen in Mexiko verbracht. So eine Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen, vor allem nicht wenn liebe Freunde heiraten!

Das Wochenende nach der Ankunft verbrachten wir in Mexiko Stadt. Mexiko Stadt, diese Mischung aus Moloch und Lebensfreude, die mir in den fünf Monaten, die ich dort vor 10 Jahren verbracht habe, so ans Herz gewachsen ist. Die Stadt ist längst aus ihren Grenzen, dem Distrito Federal herausgewachsen, umfasst ungefähr 20 Millionen Einwohner und eine fast zehn mal so große Fläche wie Berlin.

Mexiko Stadt bietet neben jeder Menge Kultur und Sehenswürdigkeiten vor allem auch wunderbare Märkte und unglaublich leckeres Streetfood. Und da es manches davon in anderen Ecken Mexikos nicht gibt, musste ich mich unbedingt in den zwei Tagen einmal durch alles hindurchfuttern!

An vielen Straßenständen werden Quesadillas und Tlacoyos verkauft. Am aromatischsten sind sie, wenn der Teig aus blauem Mais ist. Bei den Tlacoyos wird der Maisteig (masa) mit Bohnen oder Frischkäse gefüllt und dann belegt, in meinem Fall mit Kaktusblättern (Nopales), Käse und grüner Sauce aus Tomatillos. Mmmmh, da könnte ich mich reinlegen! Nur ganz einfach ohne Schweinerei zu essen ist es nicht.

Tlacoyos am Straßenstand vor dem Markt zum Frühstück

Tlacoyos am Straßenstand vor dem Markt zum Frühstück

Die Kaktusblätter wurden eine Ecke weiter vorbereitet. Als sie merkten, dass ich ein Foto schießen wollte, posierten die zwei Männer extra und meinten, ich solle überall erzählen wie schnell und effektiv Mexikaner arbeiten können. Sie hatten Recht, ich war beeindruckt, mit welcher Geschwindigkeit und Geschicklichkeit sie die Stacheln absäbelten!

Nopales, Kaktusblätter

Ich liebe die Farbenpracht und die Gerüche der mexikanischen Märkte (außer in der Fleischabteilung, wenn ich mich dahin verirre, heißt es nur Luft anhalten und ganz schnell raus…). Diesmal habe ich nur etwas darunter gelitten, dass die Mangosaison schon vorbei war. Während der fünf Monate in Mexiko habe ich ungefähr ein Kilo Mangos pro Tag verdrückt…Diesmal waren sie kaum zu bekommen und wenn waren sie geschmacklich auch bei weitem nicht so gut. Tja, man sollte sich halt auch in Mexiko an saisonales Obst halten, es gibt schließlich genug leckere Alternativen…

Auf dem Markt

Einfache Streetfoodstände findet man an fast jeder Ecke, vor allem immer in großer Anzahl an den U-Bahn Stationen.

Streetfood

Aber auch in Mexiko geht das Streetfood mit der Zeit. So schicke Trucks mit Burgern gab es vor zehn Jahren noch nicht. Aber genau so hätten sie auch in Berlin stehen können. Irgendwie ja fast schade wie global die Foodtrends inzwischen sind (auch wenn ich es in Berlin dann wieder sehr schätze, dass ich Essen aus aller Welt bekommen kann…) Wir haben uns aber lieber in einen kleinen leckeren traditionellen Laden gesetzt und Tamales (in Bananen- und Maisblättern gegarten gefüllten Maisteig) gegessen. Es ist einfach schön, wenn man Freunde nach langer Zeit wiedersieht und das Gefühl hat, man wäre nie weg gewesen!

Foodtrucks in Mexiko Stadt

Foodtrucks in Mexiko Stadt

Den Abend ließen wir bei einem Cocktail ausklingen. Gut, er war für Mexiko etwas überteuert (5€), die Musik war zum Davonlaufen, aber der Blick aus der Torre Latinoamericana über die Lichter der Stadt ist einfach nicht zu toppen!

Blick aus der Bar in der Torre Latinoamericana

Blick aus der Bar in der Torre Latinoamericana

Advertisements


2 Kommentare

Barcelona – Wiedersehen mit meiner großen Städteliebe

Wenn es eine Stadt gibt, in die ich sofort ziehen würde, wenn man mir einen Job anbieten würde, dann ist es Barcelona. Seit ich 2004 dort drei Monate verbracht habe, habe ich diesen Traum nie ganz aufgegeben. Gut, drei Monate Teilzeitpraktikum in den Sommermonaten – mit der großen täglichen Frage: zuerst an den Strand und dann zur Arbeit oder zuerst zur Arbeit und dann an den Strand? – sind vielleicht nicht ganz realitätsnah, aber alle paar Jahre zieht es mich zumindest für ein paar Tage wieder hin. Und jedes Mal frage ich mich danach wieder: warum kann der Arbeitsmarkt in Spanien nicht besser sein? 😉

Letzten Sommer war es mal wieder soweit und jetzt in den grauen Novembertagen macht es besonders viel Spaß die Fotos nochmal zu sortieren. Mal abgesehen davon, dass ich dabei auch an Paris denken muss, wo wir die letzten Urlaubstage verbracht haben. In Paris, wo ich 1,5 Jahre und meine bessere Hälfte noch deutlich mehr Zeit gelebt haben, weshalb mich die Ereignisse vom Wochenende immer noch ganz schön mitnehmen. Aber wie es so schön heißt, wir dürfen die Terroristen nicht siegen und uns unsere Freude am freien Leben nicht nehmen lassen. Angst ist kein guter Ratgeber, weder im persönlichen noch im politischen Leben. Deshalb poste ich heute endlich die Fotos unseres Urlaubs, auch wenn mir nicht so richtig danach ist.

Wir hatten mal wieder einen Haustausch organisiert, mit einer netten Familie, die in einem hübschen Appartment in Gracia wohnt, mit traumhaftem Balkon mit Blick auf die Sagrada Familia. Die wichtigsten Touristenattraktionen kannten wir schon, wir konnten uns also voll uns ganz auf das gute Leben konzentrieren: Freunde treffen, Essen gehen, über Märkte schlendern und Köstlichkeiten in unserer kleinen Küche zubereiten.

Essen gehen ist in Barcelona vergleichsweise günstig. Vor allem mittags kann man in Spanien sehr günstige Tagesmenüs, Menu del día, finden. Gleich am ersten Tag landeten wir einen Volltreffer: Das Mittagsmenü im Restaurant Etapes kostete gerade einmal 15,50€ und sowohl die „Esqueixada“, ein Salat mit Bacalao, Zwiebeln, Tomaten und Paprika als auch die katalanische Fischsuppe „Suquet“ waren köstlich!

Esqueixada

Suquet

In Gracia hatten wir in der Nähe gleich zwei schöne Märkte, den Mercado de la Abacería und den Mercat de la Llibertat. Auch wenn wegen der Sommerferien einige Stände leer waren, gibt es doch kaum etwas Schöneres als über den Markt zu schlendern und Köstlichkeiten einzukaufen. Mit ein Grund, weshalb ich so gerne Haustausche mache, da hat man wenigstens eine vernünftige Küche.

Mercat de la Llibertat

Der Bonito, der auf dem Foto gerade für mich filetiert wurde, schwamm um 4 Uhr morgens noch im Meer – und genauso schmeckte er auch!

Mercado de la Abacería

Der perfekte Ort, um den Tag am Strand zu verbringen ist Barcelona im Hochsommer dagegen nicht – außer ihr steht auf Menschenmassen. Wir gingen immer erst abends kurz hin, um schnell in das Wasser zu springen und dann gemütlich mit Blick auf das Meer einen Apéro zu trinken.

Strand Barcelona

Überhaupt waren die typischen Touristenorte im Zentrum ziemlich überfüllt – es war ja auch August, also absolute Hochsaison. Daher beschlossen wir lieber die Gegenden zu erkunden, die wir noch nicht kannten. Eine Fahrradtour führte uns in die Stadtteile Sarrià und Petralbes. Ich hatte gelesen, dass man neben ein paar Sehenswürdigkeiten dort auch sehr gut essen kann, das perfekte Tagesausflugsziel sozusagen ;-). Doch leider hatte ich die Rechnung ohne die Spanier gemacht: Die Terrasse war wegen Hitze geschlossen und der Innenraum auf gefühlte 10 Grad heruntergekühlt. Bei aller Liebe zu gutem Essen: An einem wunderbaren Sommertag setze ich mich nicht in den Kühlschrank…Zum Glück hatte ich auch noch das Restaurant „El Vell Sarrià“ mit Terrasse auf einem hübschen Platz notiert, dessen Spezialität Paellas und Arrozes sind. Zwar hatte ich vor, Paella auch einmal selbst zu kochen, aber eine Meeresfrüchte-Paella kann ich auch problemlos zweimal essen. Und so hatte ich wenigstens einen Vergleich. Die Paella schmeckte uns großartig, sie wird dort nach Art des Hauses mit Artischocken zubereitet, die einen sehr aromatischen Geschmack geben, der erstaunlich gut mit den Meeresfrüchten harmoniert.

Als wir nach dem Mittagessen endlich am Kloster Monastir de Petralbes ankamen, hatte es leider schon geschlossen. Das gleiche Schicksal ereilte uns bei den Pavellons Güell, die der junge Gaudí für seinen Mäzen Güell errichtet hat. Zumindest der beeindruckende geflügelte Drache am Eingang ist auch von außen zu besichtigen.

Pavellons Güell

Am nächsten Morgen machte ich mich wie geplant auf den Markt, um die nötigen Zutaten für die Paella de Mariscos zu kaufen. Die Verkäuferin erkannte mich sofort wieder: Wie denn der Bonito geschmeckt hätte? Für die Paella hatte sie sofort auch noch Kochtipps zu bieten. Soviel Herzlichkeit (und Geschäftstüchtigkeit) gibt es hier in Berlin selten…Der Reis meiner Paella war zwar nicht ganz so geschmackvoll und perfekt wie im Restaurant (ich hätte wohl doch noch etwas mehr Fischkarkassen für den Fond nehmen sollen), dafür hatten wir jede Menge wunderbare Meeresfrüchte. Wenn es nur halb so gute in Berlin gäbe…Das Rezept für die Paella habe ich euch schon aufgeschrieben.

Paella de Mariscos

Bevor wir uns mit Freunden im Restaurant „Saboc“ trafen, machten wir einen kurzen Absteicher in die ehemalige Markthalle des Born, in der heute Fundamente der gotischen Altstadt zu sehen sind, die während der Sanierug gefunden wurden.

Mercat del Born

Die Tapas im „Saboc“ waren innovativ und ausgesprochen lecker. Vor allem der geräucherte Pulpo war hervorragend!

Restaurant Saboc

Restaurant Saboc

Die Woche in Barcelona verging wie im Flug und wieder hatte ich überhaupt keine Lust abzureisen. Ich werde wohl nie richtig verstehen weshalb drei meiner Freunde, die alle vor Kurzem wegen der Arbeit von Madrid nach Barcelona gezogen sind, wieder lieber in Madrid leben würden…Obwohl Madrid auch eine tolle Stadt ist…

Weitere empfehlenswerte Restaurants, die wir ausprobiert haben:

Segons Mercat, Barceloneta
Carmelitas Tapas, El Raval
Restaurant Catamarán, Strand Bogatell (Essen ok, aber v.a. super für den Apéro)


Ein Kommentar

Kykladen 2015: Milos – Sturm, Mondlandschaft und bunte Fischerhäuser

Die letzten drei Tage wollten wir auf Milos verbringen, eigentlich viel zu wenig für die große Insel. Und kaum kamen wir an, fing es zu allem Überfluss auch noch an, in Strömen zu regnen…Mit der geplanten Wanderung würde es wohl zuerst mal nichts werden. Aber zumindest brachte uns das Taxi trockenen Fußes zu den Betty Studios nach Plaka.

Nachmittags hörte der Regen zum Glück auf und wir machten uns auf zu einem Streifzug durch Plaka. Plaka ist das einzige Dorf auf Milos, das mit seinen engen, verwinkelten Gassen so richtiges Kykladenflair ausstrahlt.

Plaka Milos

Wir stiegen die Stufen hinauf zum Kastro. Von dort hat man einen tollen Blick auf Plaka, das Meer und die Kirche Panagia Thalassitra. Ein schönes Fotomotiv!

Blick auf Plaka Milos

Blick auf Plaka Milos

Das Wetter war immer noch recht wechselhaft, daher beschlossen wir lieber, uns die an Plaka angrenzenden Dörfer Tripiti und Triovassalos anzusehen. Tripiti erschien komplett ausgestorben, aber bei dem Wetter jagt man ja auch keinen Hund vor die Tür…Nur im einzigen geöffneten Café saß noch ein anderes Paar Touristen. Leider war die Atmosphäre eher Typus Tourifalle, so verschwanden wir nach unserem Kaffee wieder so schnell wie möglich.

Triovassalos war uns vom Taxifahrer schon als „Shoppingcenter“ angekündigt worden. Entlang der Hauptstraße befanden sich auch einige Geschäfte und ein Carrefour Supermarkt. Mir sind ja die kleinen griechischen Supermärkte auf dem Inseln deutlich lieber, aber zumindest hatte dieser auch nachmittags geöffnet. Insgesamt wirkte die gesamte Gegend ziemlich zersiedelt, da sind mir andere Inseln mit den traditonelleren Kykladendörfern schon lieber.

Mitten auf der Hauptstraße kamen wir unerwartet an einem Café, vorbei, das sehr nett wirkte. Mist, hätten wir nur nicht gerade eben den Kaffee in der Touriabsteige getrunken! Als wir neugierig einen Blick hinein warfen, kam sofort die Bedienung zu uns. Ob sie denn auch Essen servierten und Abends geöffnet hätten? Ja, sie zeigte uns sofort die Karte und außerdem alle Zutaten, die sie für die Tageskarte eingekauft hatten: Garnelen, Oktopus, Gemüse, Muscheln…das sah wirklich gut aus! Wir versprachen abends wiederzukommen.

Bakalikon Galanis Milos

Gesagt, getan. Das Bakalikon Galanis wirkt zwar wie ein hippes Restaurant, das man so auch in Berlin finden könnte, blickt aber wie die Fotos an den Wänden zeigten, auf eine lange Geschichte zurück. Bakalikon wurden früher die Lebensmittelläden in den griechischen Nachbarschaften genannt, in denen man auch eine Kleinigkeit essen oder trinken konnte. Kurz nachdem wir angekommen waren, füllte sich das Restaurant und war am Ende bis auf den letzten Platz besetzt. Viele Gäste kamen aus der Nachbarschaft und kannten sich, wir waren die einzigen Touristen. Welch eine nette Atmosphäre! Auch hier war es wieder sehr praktisch etwas Griechisch zu können, denn die Tageskarte wurde einfach vorgelesen. Das Essen war lecker und sehr günstig, wir kamen auch die zwei anderen Abende wieder hierher.

Unser zweiter Tag auf Milos meinte es nicht gut mit uns: Es regnete in Strömen. Um unsere Fährtickets abzuholen fuhren wir mit einem der wenigen Busse (die Busverbinungen auf Milos sind in der Nebensaison wirklich bescheiden!) nach Adamas. Ich hoffte, dass der Regen irgendwann aufhört, und wir noch etwas die Umgebung erkundigen könnten. Weit gefehlt: wir schafften es gerade noch zum nächsten Café im Hafen und saßen dort bis zum nächsten Bus zurück nach Plaka fest. Aber Adamas gefiel uns sowieso nicht besonders, wie gut, dass wir in Plaka wohnten!

Zurück in Plaka war es leider auch schon zu spät, um das Archäologische Museum zu besichtigen. Also blieb uns nichts weiter übrig als in unserem Studio zu bleiben. Und nicht einmal den schönen Blick auf das Meer konnten wir genießen, denn die Fenster waren komplett beschlagen. Wir heizten so gut es ging mit der Klimanlage gegen die Kälte an. Wie gut, dass ich meine Wärmflasche dabei hatte!

Am nächsten Tag stürmte es zwar mit Windstärke 7-8, aber zumindest war die Sonne wieder da! Endlich konnten wir den traumhaften Blick vom Balkon genießen. Ja, wir frühstückten sogar draußen, zwar warm eingepackt, aber wir sind ja keine Frostbeulen…

Blick vom Balkon der Betty Studios

Blick vom Balkon der Betty Studios

Blick vom Balkon der Betty Studios Milos

Danach nichts wie los, der Tag musste ausgenutzt werden, es war schließlich unser letzter (und gefühlt erster) auf Milos! Zuerst spazierten wir Richtung Amphitheater und Katakomben von Milos. Beide sind über einen schönen Monopati direkt von Plaka aus zu erreichen. Das Amphitheater war geschlossen, da es gerade saniert wird. Laut Schild sollte es schon seit Jahren fertig sein, der Wärter bei den Katakomben erzählte uns, es solle ab Mai wieder geöffnet sein. Wir hatten da so unsere Zweifel…

Amphitheater Milos

In der Nähe des Amphitheaters befindet sich die Fundstelle der Venus von Milos

Fundestelle der Venus von Milos

Die Katakomben waren zum Glück geöffnet. Die 126 erhaltenen Grabgewölbe stammen aus der frühchristlichen Zeit und sind die bedeutendsten im griechischen Raum. An manchen kann man noch Inschriften und Zeichnungen erkennen.

Katakomben Milos

Anschließend stiegen wir hinunter zum Fischerdorf Klima mit seinen hübschen bunten Häuschen. Die Fischerhäuschen bestehen aus zwei Räumen, unten der Bootsgarage mit Wohnbereich und oben dem Schlafbereich. Einige kann man im Sommer auch mieten, sicherlich sehr stimmungsvoll! Jetzt im April war Klima jedoch noch menschenleer. Nur Katzen und Schwäne sonnten sich in trauter Einigkeit.

Trotzdem – oder gerade deswegen – gefiel es uns sehr, auch wenn das Restaurant leider noch nicht geöffnet hatte und aus unserer erhofften Kaffeepause nichts wurde…

Klima Milos

Bevor wir abreisten wollte ich unbedingt noch die Sarakiniko Küste mit den weißen, von Wind und Wetter zu erstaunlichsten Formen gewaschenen Vulkanfelsen sehen. Das bisschen Nordwind konnte mich da nicht abschrecken! Schließlich hatte ich meine Handschuhe nicht umsonst in den Urlaub mitgenommen. Danke für den Tipp Katharina!

Sarakiniko Milos

Sarakiniko sieht aus wie eine Mondlandschaft.

Sarakiniko Milos

Und mit dem tosenden Meer das an die Felsen schlug, war es ein besonderes Erlebnis!

Sarakiniko Milos

Sarakiniko Milos

Auf dem Rückweg kamen wir im kleinen Fischerort Mandrakia vorbei. Die Fischerboote schaukelten ruhig im Hafen…

Fischerhafen von Mandrakia Milos

…Und im Hintergrund peitschten die Wellen gegen den Damm.

Mandrakia Milos

Gerade noch rechtzeitig kamen wir zu Hause an, um den wunderbaren Sonnenuntergang vom Balkon aus zu erleben. Tschüss Kykladen, wir kommen sicher bald wieder!

Sonnenuntergang Plaka Milos

Hier findet ihr die ersten Etappen unserer Reise:
Syros – “Großstadt” und Einsamkeit
Ios – die Partyinsel vor der Party
Folegandros – die Jagd nach alten Urlaubsträumen
Kimolos – Kykladen wie vor 20 Jahren


10 Kommentare

Kimolos – Kykladen wie vor 20 Jahren?

Auf Kimolos freute ich mich sehr, ich mag die kleinen und relativ ursprünglichen Inseln. Da es außerhalb der Saison kaum geöffnete Unterkünfte gibt, hatten wir per Email überall nachgefragt und bei den Sofia’s Apartments reserviert. Aspasia holte uns am Hafen ab. Sie bat uns zu ihrem Bruder ins Auto zu steigen und ihr unsere Rucksäcke zu geben, damit sie sie auf ihr Moped laden könne. Ich schaute sie ungläubig an. Das alte Moped sah eher aus als ob es schon unter ihr zusammenbrechen könnte, wie sie damit noch zwei große Rucksäcke transportieren wollte, war mir ein Rätsel. Aber sie ließ sich nicht beirren, stapelte sie gekonnt vor sich und düste los. Unglaublich!

Die Apartments stellten sich als echter Luxus heraus, groß, hell und hübsch eingerichtet. Zwei Zimmer hatten wir in Griechenland noch nie! Vom Balkon hatten wir einen traumhaften Blick über das Meer. Da waren die 45 Euro auch wirklich angemessen. Nur das Internet sollte uns immer wieder im Stich lassen. Zur Begrüßung erhielten wir einen kleinen Korb mit Leckereien: kandierte Früchte, Kekse, Marmelade und Ouzo. So lässt es sich ankommen!

Blick vom Balkon der Sophia's Apartments

Blick vom Balkon der Sophia’s Apartments

Das Wetter war weniger gut als die letzten Tage, aber zumindest trocken. So zogen wir sofort los den Ort zu erkunden. Kimolos Chorio ist deutlich weniger herausgeputzt als beispielsweise Folegandros, aber es hat trotzdem – oder gerade deshalb – viel Charme.

Die Platia in Chorio Kimolos

Im Zentrum befindet sich das Kastro, das zum Teil sehr zerfallen, im äußeren Ring aber auch noch bewohnt ist.

Kastro Kimolos

Kastro Kimolos

Kastro Kimolos

Wir wanderten Richtung Norden aus dem Dorf hinaus und gleich am ersten Muli vorbei, so hatte ich mir das vorgestellt! Dass auch auf Kimolos schon die Traktoren Einzug gehalten haben, sollten wir erst später feststellen…

Kimolos

Das Wetter hatte sich inzwischen verbessert und unser Blick schweifte über fruchtbare, mit Blumen bedeckte Täler. Traumhaft!

Täler auf Kimolos

Der Weg verwandelte sich teilweise in ein blühendes Lavendelfeld. Da musste man schon etwas auf die überall herumsummenden Bienen aufpassen.

Lavendel auf Kimolos

Rechts von uns tauchten die bei Prasa gelegenen Strände auf. Hinabzulaufen hätten wir an dem Tag nicht mehr geschafft, aber zum Baden war das Wetter sowieso zu kalt.

Kimolos

Außer einem Bauern und ein paar Ziegen begegneten wir keiner Menschenseele. Was für eine erholsame Wanderung!

Ziegen auf Kimolos

Aspasia hatte uns zum Essen das Kali Kardia in Chorio und das To Kyma am Hafen empfohlen. Wir entschieden uns zuerst für das Kali Kardia. Als wir vor dem Kafenion standen, traute ich mich kaum einzutreten. So sehr hatte ich das Gefühl als Touristin die abendliche Routine der Stammgäste zu stören. Wir wurden aber von den Anwesenden kaum beachtet. Der Wirt begrüßte uns herzlich und zählte uns die vorhandenen Gerichte auf. Hier war es wieder praktisch ein paar Wörter Griechisch zu können. Dafür bemühte sich der Wirt ein paar um ein paar Wörter Deutsch. Die Auswahl ohne Fleisch war nicht üppig, aber völlig ausreichend. Die Fava und der griechische Salat waren recht gut, der Oktopus leider etwas zäh. Dafür war alles unschlagbar billig und die Atmosphäre wog die Kritikpunkte auf.

Der nächste Tag begann mit Regen. Die große Wanderung zum Skiadi mussten wir wohl verschieben. Also spazierten wir zunächst hinunter zum Hafenort Psathi.

Psathi Kimolos

Dieser erwachte erst langsam aus dem Winterschlaf. An manchen Ecken wurde gehämmert und gestrichen. Nur das To Kyma hatte schon geöffnet. Was lag da näher als auf einen Kaffee einzukehren? Wir setzten uns auf die Terrasse mit Blick auf das Meer. Mitten durch das Dach wächst ein Baum. Ein romantischer Ort!

Blick von der Terrasse des To Kyma

Blick von der Terrasse des To Kyma

Da die Erde und damit die Monopatia vom Regen aufgeweicht waren, beschlossen wir diesmal auf der Straße entlang zu den Stränden im Süden zu laufen. Im Süden der Insel gibt es ein paar flachere Gegenden, die einfacher landwirtschaftlich zu nutzen sind. Hier sahen wir Muli und Traktor in bester Nachbarschaft. Verständlicherweise ist Kimolos doch nicht in allen Aspekten so ursprünglich wie gedacht.

Landwirtschaft mit Muli und Traktor

Landwirtschaft mit Muli und Traktor

Am Strand von Aliki wurde fleißig gewerkelt, geöffnet hatte aber noch nichts. Der Strand ist etwas steinig, aber lang und hübsch mit Tamarisken, die Schatten spenden. Hier lässt es sich sicherlich auch im Sommer gut aushalten.

Der Strand von Aliki Kimolos

Der Strand von Aliki Kimolos

Der Kalamitsi Strand war dagegen kaum als solcher zu erkennen. Entweder war das Meer höher als normal oder der Winter hatte einen Teil des Strandes weggespült.

Der Kalamitsi Strand

Der Kalamitsi Strand

Ein schöner Abschluss war der Agios Georgios Strand mit seinem farbenfrohen Sandstein.

Agios Georgios Kimolos

Auf dem Rückweg leuchtete Chorio in der Abendsonne.

Chorio Kimolos

Die Wanderung hatte uns hungrig gemacht. Aber wir hatten ja eigentlich vor zu Hause zu kochen. Aber so ein kleiner Aperitif mit einem Mezze müsste doch drin sein? So landeten wir nochmal im To Kyma. Eigentlich wollten wir nur eine kleine Melitanossalata bestellen, aber der Wirt schwärmte uns so von den Tirokroketas vor, dass wir die Käsebällchen einfach probieren mussten. Dabei hatte ich ihm ja mit all meinen zusammengekramten Griechischkenntnissen erzählt, dass wir nur eine Kleinigkeit wollten, da wir zu Hause kochen. Aber es hatte sich gelohnt. Der Aubergienensalat und die Käsebällchen waren so lecker, dass wir noch Kalamares hinzubestellten und das Kochen verschoben. Und der Blick auf das Meer dazu war einfach unschlagbar!

Käsebällchen und Auberginensalat im To Kyma

Käsebällchen und Auberginensalat im To Kyma

Der nächste Tag begann strahlend schön, perfekt für ein Frühstück auf dem Balkon! Die Bäckerei hatte sich als außergewöhnlich gut entpuppt. Die Insel schien wirklich alles zu haben!

Heute wanderten wir früh los, wir wollten die große Rundwanderung zu der Gesteinsformation Skiadi und weiter zu den Stränden im Westen unternehmen.

Aber zuerst nutze ich die Chance noch ein paar Fotos von Chorio bei Sonnenschein zu schießen.

Chorio Kimolos

Kimolos Chorio

Kimolos Chorio

Zunächst ging es auch heute an fruchtbaren Tälern entlang Richtung Norden, etwas weiter westlich als am ersten Tag.

Kimolos

Die Landschaft auf Kimolos ist vermutlich aufgrund des vulkanischen Ursprungs besonders fruchtbar, das erinnerte uns fast etwas an Nisyros. Aber so viele Blumen wie hier hatte ich meiner Erinnerung nach wirklich noch nie auf einer griechischen Insel gesehen. Deshalb machten wir uns auch am letzten Tag – erfolgreich – auf die Suche nach Honig von Kimolos. Besseren kann man wohl kaum finden.

Kimolos

Kimolos

Kurz vor der Abzweigung zum Skiadi kam uns ein Bauer auf einem Muli entgegen. In meinem 10 Jahre alten Reiseführer stand noch, dass die Bauern auf Kimolos noch Strohhüte statt Baseballcaps tragen. Aber auch hat sich die Mode inzwischen anwandelt. Monsieur G. schaute schon ganz peinlich berührt als ich wieder die Kamera zückte. Aber als ich fragte, ob ich den Bauern fotographieren kann, hielt er sogar freundlich an und fragte noch ob wir zum Skiadi wollten. „Ne, ne!“

Kimolos

Aber zunächste machte wir einen kleinen Abstecher Richtung Paleokastro im Norden.

Kimolos

Ich hatte auf der Wanderkarte einen Aussichtspunkt entdeckt, der erschien ein perfekter Platz für das Mittagspicknick. Die kleine Anstrengung wurde mit einem 360 Grad Blick belohnt. Traumhaft!

Kimolos

Kimolos

Einige Zeit später erreichten wir den Skiadi, eine große pilzförmige Gesteinsformation.

Skiadi Kimolos

Kimolos

Danach ging es recht steil abwärts Richtung Strand. Auf dieser Seite ist die Insel etwas karger.

Kimolos

Gleich in der Lakos Bucht sprang ich ins Wasser. Gar nicht mal so kalt heute, aber die Bucht ist auch wunderbar geschützt. Nur durch eine Landzunge getrennt erreicht man den Mavrospilia Strand mit interessanten vorgelagerten Felsformationen.

Mavrospilia Kimolos

Ein Stück weiter südlich schließt sich die schöne Deka Bucht an.

Deka Bucht Kimolos

Auf dem Weg zurück auf der Straße merkten wir, dass so langsam immer mehr Verwandschaft der Kimioten auf der Insel ankam. Wir hatten das Gefühl, die Städter recht gut von den Einheimischen unterscheiden zu können. Aber ausländische Touristen hatten wir bisher außer uns noch keine gesehen.

Abends kehrten wir wieder im To Kyma ein. Diesmal wurden wir gleich zum in die Töpfe gucken gebeten. Das mag ich ja eigentlich am liebsten! Die schwarzen Riesenbohnen und das gebratene Gemüse weckten unseren Appetit. Ob wir denn auch noch Fisch dazu möchten? Der Wirt zeigte uns einen großen Teller mit acht kleinen Fischen. Die könnten wir alle für 10 Euro haben. Da sagen wir natürlich nicht nein! Mmh, es war alles wieder köstlichst!

To Kyma

Ein schöner Abschluss für den letzten Abend!

IMG_20150506_230420

Kimolos hatte uns begeistert, ich fuhr etwas wehmütig ab Richtung Milos. Die Kimioten, die uns am ersten Tag noch etwas ignoriert hatten, grüßten uns jeden Tag freundlicher. Da deckte sich mein Eindruck mit Richi. Nur ein paar Brocken Griechisch können nicht schaden, Englisch spricht bei weitem nicht jeder. Aber für mich war das wieder die perfekte Gelegenheit etwas zu üben.

Hier findet ihr die ersten Etappen unserer Reise:
Syros – “Großstadt” und Einsamkeit
Ios – die Partyinsel vor der Party
Folegandros – die Jagd nach alten Urlaubsträumen


10 Kommentare

Kykladen 2015: Folegandros – die Jagd nach alten Urlaubsträumen

Vor Folegandros hatte ich etwas Angst. Folegandros war die Insel, die mich bei meinem ersten Inselhopping vor 15 Jahren am meisten fasziniert hatte. So alte, verklärte Erinnerungen sind ja immer höchstgefährlich. Wie stark sich die Insel wohl verändert hatte? Die seitdem entstandenen Luxusunterkünfte bei der Unterkunftssuche ließen mich etwas skeptisch werden. Die Einschätzungen auf den Blogs gingen stark auseinander, von Richi, der Folegandros als eine seiner Lieblingsinseln bezeichnet bis zu Katharina, die schrieb „unsere Inselwelt ist das nicht (mehr).“ Ob es wohl noch meine ist? Schon 2011 hatten wir kurz mit Folegandros geliebäugelt und uns dann doch für Sikinos entschieden (das Ende April so einsam war, dass nicht einmal eine gute Taverne zu finden war). Diesmal also Folegandros. Anfang April. Da müsste es ja zumindest noch ruhig sein.

Von Bord der Adamantios Korais gingen vor allem Griechen, außer uns war nur noch ein junges Paar als Touristen erkennbar. Ich hatte ziemlich viele Vermieter vorher angemailt, fast alles war noch geschlossen. Die einzige positive Antwort bekamen wir von den Irene Rooms, die auch anboten, uns vom Hafen abzuholen. Eine gute Entscheidung, denn weit und breit war kein Bus zu sehen und die Chora liegt 3 km den Berg hinauf. Wir saßen schon im Auto, da sahen wir die zwei anderen Neuankömmlinge etwas unschlüssig an der Bushaltestelle stehen. Ich fragte unseren Vermieter, ob denn heute noch ein Bus fahren würde: Nein. Ob er denn noch ein Zimmer habe, falls die zwei etwas suchten: Ja. Also schnell bei den beiden nachgefragt, ein Zimmer vermittelt und unser Vermieter fuhr zweimal in die Chora, um uns nicht alle gemeinsam ins Auto zu quetschen.

Das Zimmer war wie erwartet einfach, aber sauber. Nur der Balkon vom Nebenzimmer gefielt mir deutlich besser, sogar ein bisschen Meer war von dort zu sehen. Ob wir vielleicht auch das andere Zimmer haben könnten? Ja, kein Problem, es kostete zwar 5€ mehr, da es ein großes Dreibettzimmer war, aber das war mir der Blick wert. Und das andere Zimmer stand dadurch gleich für die unerwarteten Gäste bereit.

Blick von unserem Balkon in den Irene Rooms

Blick von unserem Balkon in den Irene Rooms

Unsere neuen Bekannten, Adriana und Jan, stellte sich heraus, kamen auch aus Berlin-Neukölln, quasi Nachbarn sozusagen. Welch ein Zufall! Wir verabredeten uns gleich fürs Abendessen und zogen los, die Insel zu erkunden.

Die Chora ist nach wie vor wunderschön, vor allem das Kastroviertel lässt jedes Kykladenherz höher hüpfen. Seltsam, dass ich so wenige Fotos gemacht habe…

Im Kastro Viertel der Chora

Im Kastro Viertel der Chora

Kastro Folegandros

Wenn man aus der Chora herauswandert, sieht man die teils verfallenen landwirtschaftlichen Terrassen am steilen Abhang, die fast bis ans Meer herunterreichen. Weiter hinten entdeckten wir aber auch schon die nächsten Luxusappartments im Bau.

Folegandros

Wir wollten zum Fira Stand und dann weiter in die Angali Bucht. Das erste Stück des Weges ist ein traumhafter Weg, leicht zu finden und sehr gut ausgeschildert. Im April ist es zwar noch nicht so warm, dafür blüht und grünt es an allen Ecken und duftet herrlich nach Kräutern. Kein Vergleich mit den trockenen, kargen Inseln im Herbst!

Blick auf die Christos-Kapelle

Blick auf die Christos-Kapelle

Unterhalb der Christos-Kapelle war der Weg nicht mehr so klar zu erkennen und unsere digitale Wanderkarte von Terrain Maps ziemlich ungenau – was wir in Folegandros leider immer wieder feststellen mussten. Schade, bisher hatten uns die Karten immer sehr gut geführt! Nach einigem Hin- und Hergeirre erreichten wir den Fira Stand. Leider war er nicht besonders einladend, der Winter hatte jede Menge Müll angeschwemmt, kein angenehmer Platz zum Verweilen. Eigentlich sollte es einen Weg an den Felsen entlang in die Angali Bucht geben, von einem begehbaren Pfad war aber weit und breit nichts zu sehen. Nach einigem Suchen und Kletterversuchen über die Steine fiel uns auf, dass manche dort wohl noch nicht lange lagen. Das war des Rätsels Lösung: Ein Steinbruch hatte scheinbar den Weg verschüttet. Wir beschlossen also umzukehren, alles andere erschien uns zu riskant.

So blieb uns noch Zeit, um hinauf zur Kirche Panagia zu laufen. Nicht ohne vorher Wein, Oliven und Pistazien für den Aperitif mitzunehmen. Von dort sieht man wie direkt Chora an die Steilküste gebaut ist. Welch ein traumhafter Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen!

Blick auf Chora

Tavernen waren nur wenige geöffnet, wir entschieden uns für die Fischtaverne Chrisospilia. Der frische Fisch war leider schon aus, wir nahmen daher Fava, Riesenbohnen in Tomatensauce (Gigantes) und marinierten Oktopus. Die Fava waren gut, der Oktopus aber zäh (und teuer) und die Gigantes definitiv aus der Dose. Ein absolutes No Go! Das war mir bisher nur im touristischen Rhodos passiert, kein gutes Zeichen…Aber wenigstens hatten wir einen netten Abend. Adriana und Jan hatten mittags gut im Stratos Anna Ki Araxe gegessen. Morgen würden wir kein Risiko eingehen…

Nach einem ausgiebigen Brunch am nächsten Morgen, nahmen wir den Bus nach Ano Meria. Da ein Frühstück zu viert schnell mal ein bisschen länger dauert, passte der 14 Uhr Bus perfekt. Der Bus fuhr nur zweimal täglich, einmal um 7:30h, einmal um 14 Uhr und nachdem an der ersten Ecke eine halbe Schulklasse zustieg, wussten wir auch warum. Für Touristen gibt es in dieser Jahreszeit noch keine Busse.

In Ano Meria stiegen wir spontan mit den letzten Schülern aus, ich hatte komplett unterschätzt wie lange sich das zerstreute Dörfchen zieht, es waren locker noch zwei Kilometer bis zur Abzweigung des Wegs zum Livadaki Strand. Jetzt wurde uns auch klar, warum der Busfahrer überrascht war, dass wir schon so früh aussteigen wollten. Aber so sahen wir zumindest noch das ganze Dorf. Das ein oder andere Ferienhäuschen wurde auch hier schon gebaut, die große Tourismuswelle schien aber an diesem Ende der Insel noch fern.

Wir wanderten durch ein Blütenmeer zum Livadaki Strand, den man laut Graf Wanderführer von 2006 meist für sich alleine hat.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

An diesem Tag hatten aber noch zwei weitere Paare die gleiche Idee. Zwei waren auch schon im Wasser – ein deutsches Paar wie sich später herausstellte (was anderes als Deutsche oder Skandinavier wäre bei den Temperaturen auch kaum in Frage gekommen). Da musste ich doch hinterher! Und das Wasser war überraschend angenehm. Solch geschützte Buchten haben im April ihre Vorteile!

Der Livadaki Strand

Der Livadaki Strand

An der Bucht entlang ging es weiter zum Leuchtturm. Danach ließ uns unsere Wanderkarte wieder im Stich. Der Weg entlang der Küste war kaum zu erkennen und schien nur teilweise korrekt.

Folegandros Leuchtturm

In diesem Tempo würden wir bei Tageslicht wohl kaum die Straße erreichen. Also kehrten wir lieber um und wanderten auf dem ausgeschilderten Weg hinauf nach Ano Meria.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Keine schlechte Entscheidung, denn auch der Weg auf der Straße zurück nach Chora war wunderschön in der Abendstimmung. Kaum ein Auto, dafür die Chora in magischem Licht. Ich hatte einen kleinen Fotorausch…

Folegandros

IMG_20150426_215159

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Folegandros Chora

Den Abend ließen wir im Stratos Anna Ki Araxe ausklingen. Zum ersten Mal saßen wir abends draußen. Auf dem schönen Dorfplatz, zwar eingemummelt in unsere warmen Jacken, aber immerhin! Hier gab es jeden Abend nur drei Gerichte, die dafür hausgemacht waren und lecker. Ob wir denn über Ostern blieben? Adriana und Jan antworteten, sie müssten nach Patras, zu Freunden. Ostern sei nirgends so schön wie in Folegandros, wir müssten hierbleiben. Patras, Patras, das ist doch keine Alternative! Am meisten redete sich Roberto, ein Italiener aus Mailand in Rage, der seit Langem auf Folegandros ist; Patras, ist häßlich, ich komme aus Mailand, das ist wie Mailand. Patras, Patras…großes Kopfschütteln. Patras, Patras, der Running Gag wird uns noch bis zur Abfahrt verfolgen. Ich habe mal unerwähnt gelassen, dass wir vor Ostern wieder nach Hause mussten wegen der Arbeit, das wäre vermutlich kaum auf mehr Verständnis gestoßen…

An unserem letzten Tag auf Folegandros wanderten wir von der Chora über Petoussis und Livadi zum Katergo Strand und dann weiter zum Hafenort Karavostasis.

Die Kirche Evangelistria bei Petoussis

Die Kirche Evangelistria bei Petoussis

Wir waren wieder umgeben von Blumen und überall summten Bienen um uns herum. Plötzlich blieb meine bessere Hälfte stehen, und fing an sich hektisch zu zu bewegen. Ich wusste ja, dass er kein großer Bienenliebhaber ist, aber weshalb plötzlich solche Panik? Als ich näher kam merkte ich, dass sich eine Biene auf seinem Kopf in den Haaren verfangen hatte. Mist, da konnte ich die Panik langsam verstehen! Zum Glück ließ sie sich mit seinem Schal wieder herauslocken ohne zu stechen. Es wunderte mich nicht, dass er kurz danach nicht zur Steilküste hinuntergehen wollte, wo ein Schild warnte: Dangerous bees!

Vom kleinen Weiler Livadi aus führt ein ausgeschilderter Weg zum Katergo Strand. Das letzte Stück hinunter war eine kleine Herausforderung für meine fehlende Schwindelfreiheit. Aber so kurz vor dem Ziel bzw. vor allem vor dem Wasser bin ich nicht so einfach aufzuhalten. Der Strand mit den vorgelagerten Felsen gilt als der vielleicht schönste Strand von Folegandros. Reizvoll ist er auf jeden Fall mit seinen vorgelagerten Felsen. Das Wasser war deutlich kälter als am Vortag, aber mit ein bisschen Zähne Zusammenbeißen ging’s.

Der Katergo Strand

Der Katergo Strand

Der Weg über die Felsen zum Livadi Strand schien uns schwierig bis unmöglich, daher liefen wir auf dem gleichen Weg zurück nach Livadi und von dort auf der kleinen Straße zum Hafenort Karavostasis.

Auf dem Weg entdeckten wir eine erfindungsreiche Installation. Ein alter Roller diente mit seinem Motor dazu Wasser aus einem Brunnen zu pumpen. Wenn das nicht kreatives Recycling ist!

Ein Roller als Brunnenpumpe

Ein Roller als Brunnenpumpe

Der Hafenort Karavostasis lag noch im Winterschlaf. Ich hätte gerne noch einen Kaffee getrunken, aber wir fanden nichts was geöffnet hatte. So wanderten wir eben ungestärkt hinauf zur Chora. Auch wenn ich wirklich versucht war entweder das einzige Taxi der Insel zu rufen oder das Angebot unserer Vermieterin anzunehmen, uns abzuholen…

Der Hafenort Karavostasis

Der Hafenort Karavostasis

Den letzten Abend gingen wir wieder gemeinsam ins Stratos Anna Ki Araxe. Der Wirt und Roberto, der Italienier, versuchten alles, um uns zu überzeugen die Abfahrt zu verschieben und Ostern auf der Insel zu verbringen. Zwei andere deutsche Stammgäste wurden zu uns geschickt – die gleichen, die wir beim Baden am Livadaki Strand getroffen hatten – um uns zu erzählen wie einzigartig die Osterfeierlichkeiten auf Folegandros seien: 6 Tage lang wird gefeiert, jeden Tag wird die Reliquie in eine andere Kirche gebracht, mal zu Fuß, mal mit dem Boot und immer wird gemeinsam gegessen und gefeiert. Auch wenn wir schon zweimal Ostern auf den griechischen Inseln verbracht haben und ja überall gefeiert wird, es klang wirklich nett! Aber wir hatten ja keine Wahl…Roberto ließ so lange nicht locker, bis Jan seinen griechischen Freund Giorgios anrief, damit dieser bestätigte, dass die gesamte Familie in Patras wartete…Und auch der Wirt verwöhnte uns mit einem extra halben Liter Wein und besonders starkem Rakomelo. Ob er wohl hoffte, dass wir am nächsten Tag die Fähre verschlafen würden?

Er hatte kein Glück, Irenes Sohn brachte uns rechtzeitig zum Hafen und wir verließen die Insel Richtung Kimolos. Folegandros gefällt mir noch immer – auch wenn ich definitiv nicht später in der Saison kommen möchte. Zum Wandern im Frühjahr ist es aber landschaftlich einfach großartig. Von der Atmosphäre her merkte man schon, dass inzwischen der Tourismus Fuß gefasst hat, meine Griechischversuche wurden teilweise konsequent ignoriert. Aber Anfang April waren nur eine Handvoll Touristen auf der Insel und das waren fast nur Stammgäste. Da kann man dann auch gut über die Luxusapartments mit Pool hinwegschauen. Aber jetzt waren wir gespannt auf Kimolos!

Hier findet ihr die ersten Etappen unserer Reise:
Ios – die Partyinsel vor der Party
Syros – „Großstadt“ und Einsamkeit