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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen


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Perfekte Kombination: Theater und Schlemmen in Avignon

Die Entscheidung, auf dem Weg nach Marseille zwei Tage in Avignon zu verbringen, haben wir definitiv nicht bereut! Ich war mir ja nicht ganz sicher, ob Avignon zur Zeit der Theaterfestivals noch erträglich ist. Aber die Aussicht auf ein paar spannende Theaterstücke und die Neugierde waren dann doch stärker. Und wir haben es nicht bereut.

Davor mussten wir aber noch ein bisschen bangen: wegen des Streiks der Bühnenarbeiter war lange Zeit nicht klar, ob das Festival überhaupt stattfinden würde. Aber wir hatten Glück: Zwar wurde an mehreren Tagen gestreikt, unsere drei Stücke waren aber nicht betroffen.

Die gesamte Stadt steht während der Festivals im Zeichen des Theaters. Neben dem „In“ Festival findet auch das „Off“ Festival der freien Szene mit 900 Theatergruppen statt. Diese buhlen an allen Ecken der Stadt um Aufmerksamkeit. Überall sind die Plätze und Wände mit Plakaten vollgehängt und Schauspieler versuchen Flyer an den Mann und die Frau zu bringen. Am Anfang nimmt man noch jeden an, nach kurzer Zeit versucht man möglichst freundlich abzulehnen. „Hab ich schon gesehen“, was auf den Flyer bezogen war, kann da auch falsch verstanden werden. Aber den Schauspieler hat’s gefreut 😉

Plakate in Avignon

Plakate so weit das Auge reicht

Um sich bei Vielzahl an Stücken von der Masse abzuheben, muss man sich schon etwas einfallen lassen und zumindest in voller Montur durch die Straßen ziehen.

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Theaterstücke

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Theaterstücke

Wir hatten schon Karten für drei Stücke im Vorverkauf besorgt und mussten uns zumindest nicht mehr entscheiden! Besonders gefallen hat uns die ägyptische Gruppe El Warsha, die uns mit einer Mischung aus Musik und Geschichtenerzählen beeindruckte. Dazu trug sicherlich auch der schöne Ort im Hof der Universität und der laue Sommerabend bei.

Die restliche Zeit verbrachte wir mit Sightseeing, schließlich hat Avignon eine wunderschöne Altstadt mit bekannten Papstpalast. Im Hof des Papstpalastes ein Theaterstück zu sehen, muss auch ein Erlebnis sein, aber an den zwei Abenden, die wir in Avignon waren, wurde dort nicht gespielt.

Papstpalast

Was das Essen betrifft war ich schon vorgewarnt worden: die Preise würden sich verdoppeln, hatte eine Freundin geschimpft. Am ersten abend hatten wir wohl Glück, die Calamares waren zwar keine Gourmetküche, aber dem Preis und dem schönen Platz durchaus angemessen. Am nächsten Mittag verstand ich dann so langsam war sie gemeint hatte: der Festivalteller für 12€ war mehr als übersichtlich und da ich darum gebeten hatte, den Schinken wegzulassen, war er eben noch kleiner. Auf die Idee dafür etwas mehr von Rest zu geben, sind sie natürlich nicht gekommen…Daher wussten wir am Abend dafür unser Glück umso mehr zu schätzen! Im Vorbeigehen hatten wir ein kleines, etwas versteckt gelegenes Restaurant entdeckt, das „La Cuisine d’Olivier 2 (CO2)“, das auch im Michelinführer empfohlen wird und trotzdem bezahlbar ist. Eine Reservierung war zum Glück noch möglich und wir hatten uns genau richtig entschieden. Was für ein Unterschied zu der Tourifalle am Mittag!

Zuerst kam ein kleiner Gruß aus der Küche: Hirn. Na, das war ja ganz was für mich…Nachdem ich mein Tellerchen zu Monsieur G. schieben wollte, meinte der Kellner sofort, er würde mir sofort etwas ohne Fleisch bringen. Und das kleine Tomatensüppchen, das ich als Ersatz bekam, war absolut nicht zu verachten.

Amuse Bouche: Velouté de tomate

Amuse Bouche: Velouté de tomate

Bei der Vorspeise hätte ich eigentlich leer ausgehen müssen, nur Monsieur G. hatte ein komplettes Menu bestellt. Aber siehe da: schon wieder wurde an mich gedacht und auch mir ein kleines Probiertellerchen mit dem Gazpacho gebracht. So einen tollen Service habe ich wirklich selten erlebt! Das Gazpacho war wunderbar abgeschmeckt und das I-Tüpfelchen waren die winzigen Stiftchen aus Zitronengelee darauf.

Gazpacho

Gazpacho

Mein Thunfischfilet mit provenzialischem Gemüse zum Hauptgang war perfekt gebraten – auch beim Thunfischsteak wurde man hier gefragt, ob man es blutig oder rosa möchte – das Gemüse und die Sauce waren ebenfalls äußerst schmackhaft. Aber so langsam lief die Zeit davon, wir hatten ja noch unser Theaterstück um 22Uhr – und Hunger hatte ich nach der großen Portion eigentlich auch nicht mehr. Leider! Ich hätte so gerne noch einen Café Gourmand mit den verschiedenen Nachspeisen verdrückt…Aber so müssen wir wohl einfach wieder mal nach Avignon…

Thunfisch mit provenzialischem Gemüse


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Alles in Butter: Der Golfe du Morbihan in der Bretagne

Vielleicht hat sich der/die ein oder andere schon gewundert weshalb ich die letzte Woche auf meinem Blog so untätig war. Ich habe über die Osterfeiertage mal wieder zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen gefrönt: Reisen und Essen und dabei viele leckere Rezeptideen mitnehmen. Diesmal haben wir unsere Klimabilanz etwas weniger belastet als letzen Herbst in Mexiko und waren in der Bretagne, genauer gesagt in Vannes im Golfe du Morbihan. Wenigstens war das Wetter gut genug, dass wir die vielen Kalorien wieder wegwandern konnten, schließlich ist die Bretagne das Land in dem Butter und Sahne fließen…

Ich gebe euch hier eine kleine Übersicht über die kulinarischen Köstlichkeiten und füge unten in der Galerie noch ein paar Fotos der schönen Landschaft des Golfe du Morbihan und seiner Umgebung an. Eine Reise lohnt sich nicht nur wegen des Essens!

Wir haben unseren Urlaub mal wieder mit einem Haustausch organisiert und hatten diesmal besonderes Glück: unsere Tauschpartnerin Eve ist nicht nur äußerst sympatisch, sondern auch eine großartige Chocolatière. Mit ihrer Mutter stellt sie unter dem Namen „les nenettes“ köstliche handgefertigte Pralinen her. Falls ihr jemals nach Vannes kommen solltet, versäumt nicht in der Markthalle „Halles des Lices“ an ihrem Stand vorbeizuschauen! Sehen die kleinen Kunstwerke nicht köstlich aus?

Pralinen von "les nenettes" in Vannes

Pralinen von „les nenettes“ in Vannes

Die "Osterkollektion" von Les Nenettes

Die „Osterkollektion“ von Les Nenettes

Eine der bekanntesten Spezialitäten der Bretagne sind die Kouign Amann, was auf bretonisch Butterkuchen bedeutet. Diesem Namen machen sie alle Ehre, sie bestehen aus einem buttrigen, schweren Blätterteig. Das ist zwar lecker, aber selbst einen kleinen Kouign Amann können wohl nur Hartgesottene ganz verdrücken. Es gibt sie in Natura oder auch mit verschiedenem Obst, unten auf dem Bild ist im Vordergrund ein ein kleiner Kouign Amann mit Äpfeln zu sehen. Wer Butter mag, wird die Kouning Amann lieben. Als ich das Rezept nachgelesen habe war ich ganz überrascht, dass es sich gar nicht so heftig liest wie es wirkt: 200g Butter und 200g Zucker auf 250 Mehl klingt auch nicht heftiger als ein durchschnittlicher Rührkuchen…Wenn ihr euch daran wagen möchtet, ein schönes Rezept findet ihr bei Aux délices d’Aurélie oder ein etwas weniger buttriges bei einfachköstlich

Vorne links die Kouign Amann, dahinter eine sehr leckere Tarte fine aux pomme (Apfeltarte) und das obligatorische Baguette de tradition zum Früstück

Vorne links die Kouign Amann, dahinter eine sehr leckere Tarte fine aux pommes (Apfeltarte) und das obligatorische Baguette de tradition zum Frühstück

Was wäre ein französisches Essen ohne die großartigen Käsesorten. Auch wenn sie nicht typisch für die Bretagne sind, ich liebe alle Sorten französischen Ziegenkäse!

Der Käsestand am Markt in Vannes: manche Sorten würde man in Deutschland wohl nicht verkaufen können...

Der Käsestand am Markt in Vannes: manche Sorten am rechten Rand würde man in Deutschland vielleicht nicht verkaufen können, dabei sind sie einfach nur köstlich…

Bei den vielen leckeren Restaurants fiel die Auswahl schwer: Meeresfrüchte oder Fisch oder doch Galettes und Crêpes? Zum Glück gab es ja nicht nur einen Abend…Fangen wir mal mit den Gallettes und Crêpes an: Die bretonischen Galettes haben nicht viel mit dem zu tun, was man gemeinhin in Deutschland auf Jahrmarktständen als salzige Crêpes angedreht bekommt. Die dünnen, knusprigen Fladen werden in der Bretagne aus Buchweizenmehl (farine de Sarrazin oder blé noir) hergestellt. Sie sind wunderbar knusprig und geschmackvoll und werden mit den verschiedensten Füllungen serviert. Meine Lieblingsvariante ist mit Jakobsmuscheln und Lauch. So muss ich mich nicht mal zwischen Galletes und Meeresfrüchten entscheiden 🙂 Ich habe gleich zwei Kilo Buchweizenmehl mitgebracht und werde mich bald mal an den Gallettes versuchen. Im Gegensatz zu den Galettes werden die süßen Crêpes aus Weizenmehl hergestellt. Meine Lieblingsfüllung besteht aus dem typisch bretonischen „Caramel au beurre salé“ (hausgemachter Caramel mit gesalzener Butter) und Äpfeln. Den Caramel au beurre salé kann man scheinbar auch sehr leicht selbst machen, nochmal eine Spezialität für meine Nachkochliste. Die leckeren Galettes und Crêpes auf den Fotos haben wir in der empehlenswerten „Crêperie du Port“ in Vannes gegessen.

Galette mit Jakobsmuscheln und Lauch

Galette mit Jakobsmuscheln und Lauch

Crêpe mit Caramel au beurre salé und Äpfeln

Crêpe mit Caramel au beurre salé und Äpfeln

Überall an der Küste gibt es Meeresfrüchte in Hülle und Fülle. Ich kann mich zwar nach wie vor nicht mit allen anfreunden, lebende Austern zu essen ist mir nach wie vor suspekt und auch die Meeresschnecken sind nicht so ganz mein Fall. Aber schön anzusehen sind sie trotzdem 🙂

Frische Austern

Frische Austern

Teller mit frischen Meeresfrüchten

Teller mit frischen Meeresfrüchten

Aber es gibt ja zum Glück noch viele andere Köstlichkeiten: Im Restaurant Rive Gauche in Vannes haben wir vorzüglich gegessen. Ich hatte vor unserer Reise gelesen, dass es schwierig sei in Vannes gute Restaurants zu finden, da es viel Touristennepp gäbe. Diese Befürchtung hat sich zum Glück überhaupt nicht bestätigt. 24 Euro für dieses Menü abends fand ich mehr als angemessen!
Zur Vorspeise hatten wir eine köstliche Tarte Tartin aus Chicoree und Ziegenkäse, die ich unbedingt mal versuchen muss nachzukochen!

Tarte Tatin mit Chicoree und Ziegenkäse

Tarte Tatin mit Chicoree und Ziegenkäse

Alternativ gab es als Vorspeise einen wunderbar gewürzten Lachstatar, der auch nicht zu verachten war:

Lachstatar

Lachstatar

Die Hauptspeise bestand aus feinen Rotbarben mit einem Gemüsebulgur, der mich fasziniert hat: so einen geschmackvollen Bulgur hatte ich noch nie zuvor gegessen. Er muss in einer sehr feinen, konzentrierten Gemüsebrühe gekocht worden sein, mal sehen ob ich das auch so gut hinbekomme?

Rotbarben mit Gemüsebulgur

Rotbarben mit Gemüsebulgur

Der Nachtisch war wieder bretonisch gehaltvoll, wenn auch eine Mischung aus italienischer und bretonischer Küche: Ein Panna Cotta mit Caramel au beurre salé.

Panna Cotta mit Caramel au beurre salé

Panna Cotta mit Caramel au beurre salé

Als „leichtere“ Alternative gab es eine Apfeltarte mit einem knusprigen hausgemachten Blätterteig (auch wieder so eine Sache, die man mal lernen sollte…)

Tarte aux pommes

Tarte aux pommes

Auf jeden Fall hat sich eine ganz schöne Nachkoch- und Backliste während der Reise angesammelt, die ich nach und nach auf den Blog stellen möchte:
– Galettes de Sarrazin
– Caramel au beurre salé
– Tarte tatin mit Chicoree und Ziegenkäse
– Tarte fine aux pommes
– Baguette de tradition
– Gemüsebulgur mit Rotbarben

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