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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen


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Jeden Tag ein Buch: Essbare Stadt – und Holunderblüten in Bierteig mit Rhabarberkompott

Diesmal bin auch ich endlich mal dabei bei der großen Rezensionswoche „Jeden Tag ein Buch“!

Logo Ariane Bille

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Als ich den Untertitel von Maurice Maggis Buch „Essbare Stadt“ las, war ich sofort Feuer und Flamme: „Vegetarische Rezepte mit Pflanzen aus der Stadt“. Wenn das nicht was für mich war! Nicht, dass ich mich irgendwie mit Wildpflanzen auskennen würde, aber das könnte man ja ändern. Der AT Verlag war so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen und ich war erstaunt über die originelle Bindung, die ohne klassischen Buchrücken auskommt. Der stabile Einband ist schön und schlicht gehalten. Innen versammeln sich über 70 vegetarische Rezepte, die sich mit schönen Fotos der Stadtnatur und kurzen Beschreibungen der wichtigsten Wildpflanzen abwechseln. Die schönen Fotos machen sofort Lust, aufzuspringen und die Umgebung abzusuchen.

Essbare Stadt

Ganz so einfach ist das dann aber doch nicht: Maurice Maggis Buch ist und bleibt ein Kochbuch und ersetzt keinen Wildpflanzenführer. Ich habe mir also zuerst mal noch die App des Buchs Essbare Wildpflanzen dazugekauft, ich will ja nicht Sokrates nacheifern und am Schierling sterben…

Die Rezepte sind nach Jahreszeiten sortiert und bei vielen Rezepten sind auch Varianten mit anderen Pflanzen vorgeschlagen – man weiß ja nie so genau was man findet. Für einen Neuling wie mich war es auch gar nicht so einfach mit dem Nachkochen anzufangen. Man kann ja nicht einfach in den nächsten Supermarkt laufen und die Zutaten kaufen. Und wo finde ich in Berlin zum Beispiel wilde Möhren? Und schaffe ich es dann wirklich sie von giftigen Doldenblütlern zu unterscheiden?

Ich habe mich also zuerst mal an die einfacheren Rezepte gehalten. Hopfentriebe findet man hier an jedem Zaun und beim Löwenzahn besteht nur die Herausforderung eine hundefreie Ecke zu finden. Die „Löwenzahn-Sobanudeln auf Hopfenschösslingen mit Miso-Ingwer-Dressing“ waren daher das erste Rezept, an das ich mich rangewagt habe. Es schmeckte interessant, aber mir persönlich war es durch die Löwenzahnblätter etwas zu bitter. Ich mische Löwenzahn dann doch lieber z.B. mit Rosinen, um ihm etwas die Bitterkeit zu nehmen. Originell ist die Mischung mit Miso und Ingwer aber auf jeden Fall!Löwenzahn-Sobanudeln auf Hopfenschösslingen mit Miso-Ingwer-Dressing

Das zweite Rezept, an das ich mich herangewagt habe, waren die Holunderblüten im Bierteig mit Rhabarberkompott (Rezept siehe unten). Ich habe mich dafür sogar zum ersten Mal ans Frittieren zu Hause gewagt! Die Holunderblüten wurden auch ganz wunderbar luftig und schmeckten uns noch besser als aus der Pfanne gebratenen Holunderblüten. Beim Rhabarberkompott war mir aber die Wassermenge etwas zu hoch, ich habe die Flüssigkeit daher ziemlich lange einkochen lassen…Und ich muss gestehen, auf die Azukibohnen-Sesam-Bällchen habe ich aus purer Faulheit verzichtet…

Insgesamt zählt das Buch sicherlich zu den anregendsten und spannendsten, die ich in letzter Zeit in den Händen hatte. Ich werde es vor allem als Anregung für weitere Kreationen nehmen, aber nicht immer jedes Rezept eins zu eins befolgen – auch weil es nicht immer einfach ist, alle geforderten Wildpflanzen zu finden.

Und jetzt zum Abschluss möchte ich mit euch noch das Rezept für die Hollerküchle teilen:
Holunderblüten im Bierteig

Für die Holunderblüten in Bierteig mit Rhabarberkompott braucht ihr:

Für die Holunderblüten im Bierteig:
200 ml Bier
1 Eigelb
200g Weizenmehl Typ 550
3 Eiweiß
1 Prise Salz
1/2 EL Zucker
Sonnenblumenöl zum Ausbacken (ca. 1 Liter)
12 Holunderblüten
Puderzucker zum Bestreuen

für das Rhabarberkompott:
500g Rhabarber
100g Zucker
1 kleines Stück Ingwer
1 Sternanis
1/2 Zimtstange
1 EL dunkler Rum

Den Rhabarber wascht und schält ihr und legt die Schalen und Abschnitte für den Sud zur Seite, um ihn rötlicher zu färben (bei mir wurde er aber leider trotzdem nicht sehr rot). Laut Rezept soll man 600ml Wasser aufkochen und Zucker, Gewürze und schalen darin aufkochen. Meiner Meinung nach ist das deutlich zu viel. Wenn ihr soviel verwendet wollt, um die Schalen gut auskochen zu können, solltet ihr den Saft danach so lange einkochen lassen, bis er sehr dickflüssig wird.

Die Rhabarberstangen schneidet ihr in 1cm breite Stücke, gebt sie in eine Schüssel und beträufelt sie mit Rum.

Den heißen Rhabarbersud streicht ihr durch ein Sieb zum Rhabarber, lasst ihn abkühlen und stellt ihn kalt. So behält der Rhabarber seinen Biss, ist aber auch recht sauer. Vor dem Servieren, solltet ihr ihn auf jeden Fall nochmals kurz aufkochen. Wer den Rhabarber nicht so sauer und fest mag, kann ihn noch etwas länger köcheln lassen (so habe ich es gemacht).

Für die Holunderblüten im Bierteig verrührt ihr das Bier gut mit dem Eigelb und dem Mehl. Das Eiweiß schlagt ihr mit einer Prise Salz und dem Zucker steif und hebt es unter den Bierteig.

Nun erhitzt ihr das Öl in einem Topf auf 170 bis 180 Grad. Die Holunderblüten zieht ihr durch den Bierteig, lasst überschüssigen Teig abtropfen und frittiert sie dann im Öl schwimmend goldbraun. Auf Küchenpapier lasst ihr sie gut abtropfen und bestäubt sie nach Belieben mit Puderzucker. Lasst es euch schmecken!


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Hollerküchle (ausgebackene Holunderblüten) und Allgäuimpressionen

Das vergangene Wochenende haben wir bei wunderschönem Wetter in meiner alten Heimat Allgäu verbracht. Bei einer unserer Wanderungen durchs Voralpenland kamen wir an Unmengen blühender Holunderbüsche vorbei. Bei dieser Pracht konnte nicht einfach vorübergehen. Schon zu lange wollte ich mal Hollerküchle ausprobieren, von denen eine Freundin immer so schwärmte! Und in Berlin hatte ich die Blüte schon wieder verpasst. Wie gut, dass auf dieser Höhe die Natur etwas später tickt. Ein paar besonders schöne Dolden, bei denen sich die Blüten gerade geöffnet hatten, wurden abgepflückt, vorsichtig im Rucksack verstaut und am Abend zu dieser schmackhaften, süßen Hauptspeise verabeitet.

Hollerküchle - ausgebackene Holunderblüten

Für drei Personen braucht ihr:

ungefähr 12 Holunderblütendolden
100g Weizenmehl 550
100g Milch
50 ml Mineralwasser mit Kohlensäure
2 Eier
eine Prise Salz
eine gute Prise Zucker
Butter (oder Sonnenblumenöl) zum Braten
Puderzucker zum Bestäuben

Zuerst trennt ihr vorsichtig das Eiweiß vom Eigelb. Das Mehl mischt ihr mit dem Eigelb und rüht nach und nach die Milch und das Wasser unter, so dass ein flüssiger Teig entsteht, der nicht klumpt. Dann schmeckt ihr mit einer Prise Salz und einer guten Prise Zucker ab. Das Eiweiß schlagt ihr steif und hebt es vorsichtig unter die Masse.

Die Holunderblüten solltet ihr nicht waschen, damit das Aroma nicht verloren geht. Deshalb untersucht sie gut nach Insekten, sonst gibt es unfreiwillige Fleischbeilage…Die Holunderblüten zieht ihr mehrmals durch den Teig, so dass sie rundherum bedeckt sind. Dann schüttelt ihr sie vorsichtig, aber gut ab, damit die Teigschicht nicht zu dick wird (sie hätte bei mir noch etwas dünner sein können…). In einer Pfanne zerlasst ihr etwas Butter und backt die Dolden darin aus, bis sie goldgelb und knusprig sind. Kurz vor dem Verzehr bestäubt ihr sie mit Puderzucker. Guten Appetit!