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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen


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Kykladen 2015: Milos – Sturm, Mondlandschaft und bunte Fischerhäuser

Die letzten drei Tage wollten wir auf Milos verbringen, eigentlich viel zu wenig für die große Insel. Und kaum kamen wir an, fing es zu allem Überfluss auch noch an, in Strömen zu regnen…Mit der geplanten Wanderung würde es wohl zuerst mal nichts werden. Aber zumindest brachte uns das Taxi trockenen Fußes zu den Betty Studios nach Plaka.

Nachmittags hörte der Regen zum Glück auf und wir machten uns auf zu einem Streifzug durch Plaka. Plaka ist das einzige Dorf auf Milos, das mit seinen engen, verwinkelten Gassen so richtiges Kykladenflair ausstrahlt.

Plaka Milos

Wir stiegen die Stufen hinauf zum Kastro. Von dort hat man einen tollen Blick auf Plaka, das Meer und die Kirche Panagia Thalassitra. Ein schönes Fotomotiv!

Blick auf Plaka Milos

Blick auf Plaka Milos

Das Wetter war immer noch recht wechselhaft, daher beschlossen wir lieber, uns die an Plaka angrenzenden Dörfer Tripiti und Triovassalos anzusehen. Tripiti erschien komplett ausgestorben, aber bei dem Wetter jagt man ja auch keinen Hund vor die Tür…Nur im einzigen geöffneten Café saß noch ein anderes Paar Touristen. Leider war die Atmosphäre eher Typus Tourifalle, so verschwanden wir nach unserem Kaffee wieder so schnell wie möglich.

Triovassalos war uns vom Taxifahrer schon als „Shoppingcenter“ angekündigt worden. Entlang der Hauptstraße befanden sich auch einige Geschäfte und ein Carrefour Supermarkt. Mir sind ja die kleinen griechischen Supermärkte auf dem Inseln deutlich lieber, aber zumindest hatte dieser auch nachmittags geöffnet. Insgesamt wirkte die gesamte Gegend ziemlich zersiedelt, da sind mir andere Inseln mit den traditonelleren Kykladendörfern schon lieber.

Mitten auf der Hauptstraße kamen wir unerwartet an einem Café, vorbei, das sehr nett wirkte. Mist, hätten wir nur nicht gerade eben den Kaffee in der Touriabsteige getrunken! Als wir neugierig einen Blick hinein warfen, kam sofort die Bedienung zu uns. Ob sie denn auch Essen servierten und Abends geöffnet hätten? Ja, sie zeigte uns sofort die Karte und außerdem alle Zutaten, die sie für die Tageskarte eingekauft hatten: Garnelen, Oktopus, Gemüse, Muscheln…das sah wirklich gut aus! Wir versprachen abends wiederzukommen.

Bakalikon Galanis Milos

Gesagt, getan. Das Bakalikon Galanis wirkt zwar wie ein hippes Restaurant, das man so auch in Berlin finden könnte, blickt aber wie die Fotos an den Wänden zeigten, auf eine lange Geschichte zurück. Bakalikon wurden früher die Lebensmittelläden in den griechischen Nachbarschaften genannt, in denen man auch eine Kleinigkeit essen oder trinken konnte. Kurz nachdem wir angekommen waren, füllte sich das Restaurant und war am Ende bis auf den letzten Platz besetzt. Viele Gäste kamen aus der Nachbarschaft und kannten sich, wir waren die einzigen Touristen. Welch eine nette Atmosphäre! Auch hier war es wieder sehr praktisch etwas Griechisch zu können, denn die Tageskarte wurde einfach vorgelesen. Das Essen war lecker und sehr günstig, wir kamen auch die zwei anderen Abende wieder hierher.

Unser zweiter Tag auf Milos meinte es nicht gut mit uns: Es regnete in Strömen. Um unsere Fährtickets abzuholen fuhren wir mit einem der wenigen Busse (die Busverbinungen auf Milos sind in der Nebensaison wirklich bescheiden!) nach Adamas. Ich hoffte, dass der Regen irgendwann aufhört, und wir noch etwas die Umgebung erkundigen könnten. Weit gefehlt: wir schafften es gerade noch zum nächsten Café im Hafen und saßen dort bis zum nächsten Bus zurück nach Plaka fest. Aber Adamas gefiel uns sowieso nicht besonders, wie gut, dass wir in Plaka wohnten!

Zurück in Plaka war es leider auch schon zu spät, um das Archäologische Museum zu besichtigen. Also blieb uns nichts weiter übrig als in unserem Studio zu bleiben. Und nicht einmal den schönen Blick auf das Meer konnten wir genießen, denn die Fenster waren komplett beschlagen. Wir heizten so gut es ging mit der Klimanlage gegen die Kälte an. Wie gut, dass ich meine Wärmflasche dabei hatte!

Am nächsten Tag stürmte es zwar mit Windstärke 7-8, aber zumindest war die Sonne wieder da! Endlich konnten wir den traumhaften Blick vom Balkon genießen. Ja, wir frühstückten sogar draußen, zwar warm eingepackt, aber wir sind ja keine Frostbeulen…

Blick vom Balkon der Betty Studios

Blick vom Balkon der Betty Studios

Blick vom Balkon der Betty Studios Milos

Danach nichts wie los, der Tag musste ausgenutzt werden, es war schließlich unser letzter (und gefühlt erster) auf Milos! Zuerst spazierten wir Richtung Amphitheater und Katakomben von Milos. Beide sind über einen schönen Monopati direkt von Plaka aus zu erreichen. Das Amphitheater war geschlossen, da es gerade saniert wird. Laut Schild sollte es schon seit Jahren fertig sein, der Wärter bei den Katakomben erzählte uns, es solle ab Mai wieder geöffnet sein. Wir hatten da so unsere Zweifel…

Amphitheater Milos

In der Nähe des Amphitheaters befindet sich die Fundstelle der Venus von Milos

Fundestelle der Venus von Milos

Die Katakomben waren zum Glück geöffnet. Die 126 erhaltenen Grabgewölbe stammen aus der frühchristlichen Zeit und sind die bedeutendsten im griechischen Raum. An manchen kann man noch Inschriften und Zeichnungen erkennen.

Katakomben Milos

Anschließend stiegen wir hinunter zum Fischerdorf Klima mit seinen hübschen bunten Häuschen. Die Fischerhäuschen bestehen aus zwei Räumen, unten der Bootsgarage mit Wohnbereich und oben dem Schlafbereich. Einige kann man im Sommer auch mieten, sicherlich sehr stimmungsvoll! Jetzt im April war Klima jedoch noch menschenleer. Nur Katzen und Schwäne sonnten sich in trauter Einigkeit.

Trotzdem – oder gerade deswegen – gefiel es uns sehr, auch wenn das Restaurant leider noch nicht geöffnet hatte und aus unserer erhofften Kaffeepause nichts wurde…

Klima Milos

Bevor wir abreisten wollte ich unbedingt noch die Sarakiniko Küste mit den weißen, von Wind und Wetter zu erstaunlichsten Formen gewaschenen Vulkanfelsen sehen. Das bisschen Nordwind konnte mich da nicht abschrecken! Schließlich hatte ich meine Handschuhe nicht umsonst in den Urlaub mitgenommen. Danke für den Tipp Katharina!

Sarakiniko Milos

Sarakiniko sieht aus wie eine Mondlandschaft.

Sarakiniko Milos

Und mit dem tosenden Meer das an die Felsen schlug, war es ein besonderes Erlebnis!

Sarakiniko Milos

Sarakiniko Milos

Auf dem Rückweg kamen wir im kleinen Fischerort Mandrakia vorbei. Die Fischerboote schaukelten ruhig im Hafen…

Fischerhafen von Mandrakia Milos

…Und im Hintergrund peitschten die Wellen gegen den Damm.

Mandrakia Milos

Gerade noch rechtzeitig kamen wir zu Hause an, um den wunderbaren Sonnenuntergang vom Balkon aus zu erleben. Tschüss Kykladen, wir kommen sicher bald wieder!

Sonnenuntergang Plaka Milos

Hier findet ihr die ersten Etappen unserer Reise:
Syros – “Großstadt” und Einsamkeit
Ios – die Partyinsel vor der Party
Folegandros – die Jagd nach alten Urlaubsträumen
Kimolos – Kykladen wie vor 20 Jahren


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Kykladen 2015: Folegandros – die Jagd nach alten Urlaubsträumen

Vor Folegandros hatte ich etwas Angst. Folegandros war die Insel, die mich bei meinem ersten Inselhopping vor 15 Jahren am meisten fasziniert hatte. So alte, verklärte Erinnerungen sind ja immer höchstgefährlich. Wie stark sich die Insel wohl verändert hatte? Die seitdem entstandenen Luxusunterkünfte bei der Unterkunftssuche ließen mich etwas skeptisch werden. Die Einschätzungen auf den Blogs gingen stark auseinander, von Richi, der Folegandros als eine seiner Lieblingsinseln bezeichnet bis zu Katharina, die schrieb „unsere Inselwelt ist das nicht (mehr).“ Ob es wohl noch meine ist? Schon 2011 hatten wir kurz mit Folegandros geliebäugelt und uns dann doch für Sikinos entschieden (das Ende April so einsam war, dass nicht einmal eine gute Taverne zu finden war). Diesmal also Folegandros. Anfang April. Da müsste es ja zumindest noch ruhig sein.

Von Bord der Adamantios Korais gingen vor allem Griechen, außer uns war nur noch ein junges Paar als Touristen erkennbar. Ich hatte ziemlich viele Vermieter vorher angemailt, fast alles war noch geschlossen. Die einzige positive Antwort bekamen wir von den Irene Rooms, die auch anboten, uns vom Hafen abzuholen. Eine gute Entscheidung, denn weit und breit war kein Bus zu sehen und die Chora liegt 3 km den Berg hinauf. Wir saßen schon im Auto, da sahen wir die zwei anderen Neuankömmlinge etwas unschlüssig an der Bushaltestelle stehen. Ich fragte unseren Vermieter, ob denn heute noch ein Bus fahren würde: Nein. Ob er denn noch ein Zimmer habe, falls die zwei etwas suchten: Ja. Also schnell bei den beiden nachgefragt, ein Zimmer vermittelt und unser Vermieter fuhr zweimal in die Chora, um uns nicht alle gemeinsam ins Auto zu quetschen.

Das Zimmer war wie erwartet einfach, aber sauber. Nur der Balkon vom Nebenzimmer gefielt mir deutlich besser, sogar ein bisschen Meer war von dort zu sehen. Ob wir vielleicht auch das andere Zimmer haben könnten? Ja, kein Problem, es kostete zwar 5€ mehr, da es ein großes Dreibettzimmer war, aber das war mir der Blick wert. Und das andere Zimmer stand dadurch gleich für die unerwarteten Gäste bereit.

Blick von unserem Balkon in den Irene Rooms

Blick von unserem Balkon in den Irene Rooms

Unsere neuen Bekannten, Adriana und Jan, stellte sich heraus, kamen auch aus Berlin-Neukölln, quasi Nachbarn sozusagen. Welch ein Zufall! Wir verabredeten uns gleich fürs Abendessen und zogen los, die Insel zu erkunden.

Die Chora ist nach wie vor wunderschön, vor allem das Kastroviertel lässt jedes Kykladenherz höher hüpfen. Seltsam, dass ich so wenige Fotos gemacht habe…

Im Kastro Viertel der Chora

Im Kastro Viertel der Chora

Kastro Folegandros

Wenn man aus der Chora herauswandert, sieht man die teils verfallenen landwirtschaftlichen Terrassen am steilen Abhang, die fast bis ans Meer herunterreichen. Weiter hinten entdeckten wir aber auch schon die nächsten Luxusappartments im Bau.

Folegandros

Wir wollten zum Fira Stand und dann weiter in die Angali Bucht. Das erste Stück des Weges ist ein traumhafter Weg, leicht zu finden und sehr gut ausgeschildert. Im April ist es zwar noch nicht so warm, dafür blüht und grünt es an allen Ecken und duftet herrlich nach Kräutern. Kein Vergleich mit den trockenen, kargen Inseln im Herbst!

Blick auf die Christos-Kapelle

Blick auf die Christos-Kapelle

Unterhalb der Christos-Kapelle war der Weg nicht mehr so klar zu erkennen und unsere digitale Wanderkarte von Terrain Maps ziemlich ungenau – was wir in Folegandros leider immer wieder feststellen mussten. Schade, bisher hatten uns die Karten immer sehr gut geführt! Nach einigem Hin- und Hergeirre erreichten wir den Fira Stand. Leider war er nicht besonders einladend, der Winter hatte jede Menge Müll angeschwemmt, kein angenehmer Platz zum Verweilen. Eigentlich sollte es einen Weg an den Felsen entlang in die Angali Bucht geben, von einem begehbaren Pfad war aber weit und breit nichts zu sehen. Nach einigem Suchen und Kletterversuchen über die Steine fiel uns auf, dass manche dort wohl noch nicht lange lagen. Das war des Rätsels Lösung: Ein Steinbruch hatte scheinbar den Weg verschüttet. Wir beschlossen also umzukehren, alles andere erschien uns zu riskant.

So blieb uns noch Zeit, um hinauf zur Kirche Panagia zu laufen. Nicht ohne vorher Wein, Oliven und Pistazien für den Aperitif mitzunehmen. Von dort sieht man wie direkt Chora an die Steilküste gebaut ist. Welch ein traumhafter Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen!

Blick auf Chora

Tavernen waren nur wenige geöffnet, wir entschieden uns für die Fischtaverne Chrisospilia. Der frische Fisch war leider schon aus, wir nahmen daher Fava, Riesenbohnen in Tomatensauce (Gigantes) und marinierten Oktopus. Die Fava waren gut, der Oktopus aber zäh (und teuer) und die Gigantes definitiv aus der Dose. Ein absolutes No Go! Das war mir bisher nur im touristischen Rhodos passiert, kein gutes Zeichen…Aber wenigstens hatten wir einen netten Abend. Adriana und Jan hatten mittags gut im Stratos Anna Ki Araxe gegessen. Morgen würden wir kein Risiko eingehen…

Nach einem ausgiebigen Brunch am nächsten Morgen, nahmen wir den Bus nach Ano Meria. Da ein Frühstück zu viert schnell mal ein bisschen länger dauert, passte der 14 Uhr Bus perfekt. Der Bus fuhr nur zweimal täglich, einmal um 7:30h, einmal um 14 Uhr und nachdem an der ersten Ecke eine halbe Schulklasse zustieg, wussten wir auch warum. Für Touristen gibt es in dieser Jahreszeit noch keine Busse.

In Ano Meria stiegen wir spontan mit den letzten Schülern aus, ich hatte komplett unterschätzt wie lange sich das zerstreute Dörfchen zieht, es waren locker noch zwei Kilometer bis zur Abzweigung des Wegs zum Livadaki Strand. Jetzt wurde uns auch klar, warum der Busfahrer überrascht war, dass wir schon so früh aussteigen wollten. Aber so sahen wir zumindest noch das ganze Dorf. Das ein oder andere Ferienhäuschen wurde auch hier schon gebaut, die große Tourismuswelle schien aber an diesem Ende der Insel noch fern.

Wir wanderten durch ein Blütenmeer zum Livadaki Strand, den man laut Graf Wanderführer von 2006 meist für sich alleine hat.

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An diesem Tag hatten aber noch zwei weitere Paare die gleiche Idee. Zwei waren auch schon im Wasser – ein deutsches Paar wie sich später herausstellte (was anderes als Deutsche oder Skandinavier wäre bei den Temperaturen auch kaum in Frage gekommen). Da musste ich doch hinterher! Und das Wasser war überraschend angenehm. Solch geschützte Buchten haben im April ihre Vorteile!

Der Livadaki Strand

Der Livadaki Strand

An der Bucht entlang ging es weiter zum Leuchtturm. Danach ließ uns unsere Wanderkarte wieder im Stich. Der Weg entlang der Küste war kaum zu erkennen und schien nur teilweise korrekt.

Folegandros Leuchtturm

In diesem Tempo würden wir bei Tageslicht wohl kaum die Straße erreichen. Also kehrten wir lieber um und wanderten auf dem ausgeschilderten Weg hinauf nach Ano Meria.

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Keine schlechte Entscheidung, denn auch der Weg auf der Straße zurück nach Chora war wunderschön in der Abendstimmung. Kaum ein Auto, dafür die Chora in magischem Licht. Ich hatte einen kleinen Fotorausch…

Folegandros

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Folegandros Chora

Den Abend ließen wir im Stratos Anna Ki Araxe ausklingen. Zum ersten Mal saßen wir abends draußen. Auf dem schönen Dorfplatz, zwar eingemummelt in unsere warmen Jacken, aber immerhin! Hier gab es jeden Abend nur drei Gerichte, die dafür hausgemacht waren und lecker. Ob wir denn über Ostern blieben? Adriana und Jan antworteten, sie müssten nach Patras, zu Freunden. Ostern sei nirgends so schön wie in Folegandros, wir müssten hierbleiben. Patras, Patras, das ist doch keine Alternative! Am meisten redete sich Roberto, ein Italiener aus Mailand in Rage, der seit Langem auf Folegandros ist; Patras, ist häßlich, ich komme aus Mailand, das ist wie Mailand. Patras, Patras…großes Kopfschütteln. Patras, Patras, der Running Gag wird uns noch bis zur Abfahrt verfolgen. Ich habe mal unerwähnt gelassen, dass wir vor Ostern wieder nach Hause mussten wegen der Arbeit, das wäre vermutlich kaum auf mehr Verständnis gestoßen…

An unserem letzten Tag auf Folegandros wanderten wir von der Chora über Petoussis und Livadi zum Katergo Strand und dann weiter zum Hafenort Karavostasis.

Die Kirche Evangelistria bei Petoussis

Die Kirche Evangelistria bei Petoussis

Wir waren wieder umgeben von Blumen und überall summten Bienen um uns herum. Plötzlich blieb meine bessere Hälfte stehen, und fing an sich hektisch zu zu bewegen. Ich wusste ja, dass er kein großer Bienenliebhaber ist, aber weshalb plötzlich solche Panik? Als ich näher kam merkte ich, dass sich eine Biene auf seinem Kopf in den Haaren verfangen hatte. Mist, da konnte ich die Panik langsam verstehen! Zum Glück ließ sie sich mit seinem Schal wieder herauslocken ohne zu stechen. Es wunderte mich nicht, dass er kurz danach nicht zur Steilküste hinuntergehen wollte, wo ein Schild warnte: Dangerous bees!

Vom kleinen Weiler Livadi aus führt ein ausgeschilderter Weg zum Katergo Strand. Das letzte Stück hinunter war eine kleine Herausforderung für meine fehlende Schwindelfreiheit. Aber so kurz vor dem Ziel bzw. vor allem vor dem Wasser bin ich nicht so einfach aufzuhalten. Der Strand mit den vorgelagerten Felsen gilt als der vielleicht schönste Strand von Folegandros. Reizvoll ist er auf jeden Fall mit seinen vorgelagerten Felsen. Das Wasser war deutlich kälter als am Vortag, aber mit ein bisschen Zähne Zusammenbeißen ging’s.

Der Katergo Strand

Der Katergo Strand

Der Weg über die Felsen zum Livadi Strand schien uns schwierig bis unmöglich, daher liefen wir auf dem gleichen Weg zurück nach Livadi und von dort auf der kleinen Straße zum Hafenort Karavostasis.

Auf dem Weg entdeckten wir eine erfindungsreiche Installation. Ein alter Roller diente mit seinem Motor dazu Wasser aus einem Brunnen zu pumpen. Wenn das nicht kreatives Recycling ist!

Ein Roller als Brunnenpumpe

Ein Roller als Brunnenpumpe

Der Hafenort Karavostasis lag noch im Winterschlaf. Ich hätte gerne noch einen Kaffee getrunken, aber wir fanden nichts was geöffnet hatte. So wanderten wir eben ungestärkt hinauf zur Chora. Auch wenn ich wirklich versucht war entweder das einzige Taxi der Insel zu rufen oder das Angebot unserer Vermieterin anzunehmen, uns abzuholen…

Der Hafenort Karavostasis

Der Hafenort Karavostasis

Den letzten Abend gingen wir wieder gemeinsam ins Stratos Anna Ki Araxe. Der Wirt und Roberto, der Italienier, versuchten alles, um uns zu überzeugen die Abfahrt zu verschieben und Ostern auf der Insel zu verbringen. Zwei andere deutsche Stammgäste wurden zu uns geschickt – die gleichen, die wir beim Baden am Livadaki Strand getroffen hatten – um uns zu erzählen wie einzigartig die Osterfeierlichkeiten auf Folegandros seien: 6 Tage lang wird gefeiert, jeden Tag wird die Reliquie in eine andere Kirche gebracht, mal zu Fuß, mal mit dem Boot und immer wird gemeinsam gegessen und gefeiert. Auch wenn wir schon zweimal Ostern auf den griechischen Inseln verbracht haben und ja überall gefeiert wird, es klang wirklich nett! Aber wir hatten ja keine Wahl…Roberto ließ so lange nicht locker, bis Jan seinen griechischen Freund Giorgios anrief, damit dieser bestätigte, dass die gesamte Familie in Patras wartete…Und auch der Wirt verwöhnte uns mit einem extra halben Liter Wein und besonders starkem Rakomelo. Ob er wohl hoffte, dass wir am nächsten Tag die Fähre verschlafen würden?

Er hatte kein Glück, Irenes Sohn brachte uns rechtzeitig zum Hafen und wir verließen die Insel Richtung Kimolos. Folegandros gefällt mir noch immer – auch wenn ich definitiv nicht später in der Saison kommen möchte. Zum Wandern im Frühjahr ist es aber landschaftlich einfach großartig. Von der Atmosphäre her merkte man schon, dass inzwischen der Tourismus Fuß gefasst hat, meine Griechischversuche wurden teilweise konsequent ignoriert. Aber Anfang April waren nur eine Handvoll Touristen auf der Insel und das waren fast nur Stammgäste. Da kann man dann auch gut über die Luxusapartments mit Pool hinwegschauen. Aber jetzt waren wir gespannt auf Kimolos!

Hier findet ihr die ersten Etappen unserer Reise:
Ios – die Partyinsel vor der Party
Syros – „Großstadt“ und Einsamkeit


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Kykladen 2015: Ios, die Partyinsel vor der Party

Ios war eigentlich eine der Kykladen, die ich nie unbedingt besuchen wollte. Der Ruf als Party- und Saufinsel hatte mich nicht einmal angezogen als ich noch jung und partylustig war. Aber nun hatten wir die Wahl entweder einen Tag für die Überfahrt von Syros nach Folegandros zu verlieren oder zwei kurze Stopps auf Paros und Ios einzulegen, dafür aber immer nur kurze Zeiten abends und morgens auf der Fähre zu verbringen. Und nachdem ich mir bei beiden Inseln nicht sicher war, ob ich dort auch mal länger bleiben möchte, kamen mir die kurzen Stippvisiten gerade recht.

Auf Paros waren wir nur über Nacht, mehr als ein Bummel durch Parikia war nicht drin. Vielleicht kommen wir ja ein anderes Mal wieder, Parikia ist wirklich recht hübsch, auch wenn man die touristische Prägung selbst in der absoluten Nebensaison sofort spürt.

Auf Ios kamen wir am frühen Nachmittag an. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, hatten wir eine Unterkunft direkt am Hafen gebucht. Das Hotel Acteon war eine gute Wahl: sauber, geschmackvoll, mit Blick auf den Hafen und für 25€ die Nacht die preiswerteste Unterkunft auf unserer Reise.

Blick von unserem Balkon im Hotel Acteon

Blick von unserem Balkon im Hotel Acteon

Wir stellten schnell unser Gepäck ab und machten uns sofort auf Entdeckungstour. Am Hafen entlang spazierten wir zur Kirche Agia Irini, die am Rande der Bucht über dem Meer thront.

Blick auf den Hafenort Gialos

Blick auf den Hafenort Gialos

Agia Irini

Agia Irini

Von dort aus führt ein Monopati zum Valmas Strand. Die felsige Landschaft erinnerte uns fast mehr an das spanische Galicien als an die Kykladen. Das mag aber auch ein wenig an dem recht windigen Wetter und den Wellen gelegen haben. Ios gefiel mit bisher nicht so schlecht…

Auf dem Weg zum Valmas Strand

Auf dem Weg zur Valmas Bucht

Der Valmas Strand ist ein kleiner, etwas steiniger Strand. In dem einzigen Haus am Strand wohnt scheinbar noch eine ältere Dame. Vom Strand aus hat man einen schönen Blick auf den Leuchtturm auf der anderen Seite der Bucht. Ein beschaulicher Ort, zumindest außerhalb der Saison. Wie viel hier wohl in ein paar Monaten los ist?

Der Valmas Strand

Der Valmas Strand

Vom Valmas Strand wanderten wir auf der Fahrpiste aufwärts zur Chora. Die Chora von Ios ist in der Saison ein einziges Partydorf. Außerhalb der Saison wirkte sie fast wie ein Geisterdorf. Die unzähligen Schilder vor den Bars, Clubs und Schnellrestaurants ließen aber erahnen, wie die Verwandlung im Sommer wohl aussieht. Richtiges Kykladenflair wollte da nicht aufkommen. In einer der wenigen geöffneten Kneipen/Cafés tranken wir einen griechischen Café. Nach uns nach kamen immer mehr ältere Herren auf einen Café und auf einen Schwatz herein. In diesen Wochen haben Sie ihr Café noch für sich. Die unzähligen Alkoholflaschen hinter dem Tresen erinnerten aber daran, dass es nicht mehr lange so bleiben würde…

Da gefiel mir die Chora von oben schon deutlich besser.

Die Chora von Ios

Die Chora von Ios

Neben der Chora ist Ios vor allem für seinen Partystrand Mylopotas bekannt. Im April hielt auch hier noch alles Winterschlaf. Nur die Clubs und Schilder zeugten vom „Leben“, das hier in den Sommermonaten tobt. Der kilometerlange Sandstrand, umgeben von Hügeln, ist wirklich hübsch – vor allem wenn man ihn wie wir für sich ganz allein hat. Schade nur, dass bei dem Wind nicht an Schwimmen nicht zu denken war!

Der Mylopotas Strand, noch ganz ohne Party

Der Mylopotas Strand, noch ganz ohne Party

Der auf dem Busfahrplan angekündigte letzte Bus kam doch nicht, der Busfahrer hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ein paar versprengte Touristen sich an den Strand verirrt hatten. So genossen wir noch die Abendstimmung und liefen wieder zu Fuß zurück zur Chora. So weit sind die Strecken im Partydreieck von Ios nun auch wieder nicht.

Abendstimmung am Mylopotas Strand

Abendstimmung am Mylopotas Strand

Zum Abendessen gingen wir in das einzige geöffnete Restaurant, das wir in Chora entdeckten, „The Nest“. Wenn ein Restaurant in Griechenland schon einen englischen Namen trägt, habe ich eigentlich schon wenig Lust hineinzugehen. Aber zumindestens waren wir die einzigen Nicht-Griechen an diesem Abend – und vielleicht sogar auf der ganzen Insel? Das Essen war ok, der Auberginensalat und die gefüllten Paprika waren gut, die Tintenfischringe leider völlig geschmacklos. Wegen der kulinarischen Genüsse muss man also – zumindest in der absoluten Vorsaison – auch nicht unbedingt wiederkommen. Aber dass das Partyvolk lieber Fastfood isst, hatte ich ja auch schon vorher im Reiseführer gelesen.

Am nächsten Morgen genossen wir noch unser Frühstück auf dem Balkon bis die Fähre einfuhr. Von Ios haben wir jetzt einen ersten Eindruck, für einen Tag in der absoluten Nebensaison ok, aber ich muss nicht unbedingt nochmal hinfahren (auch wenn landschaftlich sicherlich noch einiges zu entdecken wäre!). Zu sehr spürt man das Partyvolk auch in seiner Abwesenheit. Gespannt fuhren wir mit der Adamantios Korais Richtung Folegandros. Wie sich die Insel wohl in den 15 Jahren seit meinem letzten Besuch verändert hat?

Die Adam Korais auf dem Weg nach Folegandros

Die Adamantios Korais auf dem Weg nach Folegandros


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Kykladen 2015: Syros – „Großstadt“ und Einsamkeit

Ihr habt euch vielleicht schon gefragt, warum es in den letzten Wochen so ruhig bei mir auf meinem Blog war. Zum einen hatten wir jede Menge Besuch, zum anderen waren wir zwei Wochen in Griechenland auf den Kykladen. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß vielleicht schon, dass ich ziemlich griechenlandsüchtig, bzw. besser gesagt inselsüchtig bin. Und neue Inseln gehen einem bei 113 bewohnten griechischen Inseln ja so schnell nicht aus. Nachdem wir letztes Jahr auf den Inseln des Dodekanes unterwegs waren, waren dieses Jahr wieder die Kykladen dran.

Wir hatten uns für eine Mischung aus größeren und kleineren Inseln entschieden. Die erste Station war die bei Touristen recht unbekannte Insel Syros, die jedoch mit ca. 25.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Kykladeninsel ist. Der Hauptort Ermoupoli – im Vergleich zu anderen Kykladenorten fast schon eine Großstadt – ist der Verwaltungssitz der Kykladen und Standort der Schiffswerft Neorion, so dass der Arbeitsmarkt der Insel vom ausländischen Tourismus vergleichsweise unabhängig ist. Ich war sehr gespannt wie uns die untypische Kykladeninsel wohl gefallen würde.

Wir kamen abends mit der Fähre aus Piräus an und wurden am Hafen von Maria, der netten Besitzerin der Pension Pefkakia Park abgeholt. Das Zimmer für 30€ die Nacht hatte sogar eine kleine Kochnische und einen schönen Blick vom Balkon auf den Hafen. Ein Stockwerk darüber befand sich eine für alle Gäste zugängliche Dachterrasse, mit einem traumhaften Blick über Ermoupoli. Leider war es uns dort an den meisten Tagen zu windig.

Blick von der Dachterrasse des Pefkakia Park

Blick von der Dachterrasse des Pefkakia Park

Hungrig machten wir uns gleich auf die Suche nach einem schönen Restaurant und landeten östlich vom Hauptplatz im sowohl in unserem Reiseführer (wenn auch einer alten Ausgabe) als auch auf tripadvisor empfohlenen Archontariki. Dort saßen wir wir zwar nett, das Essen war aber maximal griechisches Mittelmaß – und das dann doch zu teilweise etwas gesalzenen Preisen. 15 Euro für einen wirklich zähen gefüllten Calamar, das muss nicht nochmal sein…

Dafür genossen wir anschließend den Bummel am Hafen entlang und den Blick auf die Lichter von Ermoupoli.

Blick vom Hafen auf Ermoupoli

Blick vom Hafen auf Ermoupoli

Am nächsten Tag schlenderten wir durch die Gassen des Städtchens. Durch die Lage am Hang sind viele Gassen mit Stufen durchsetzt und nur zu Fuß begehbar. Dadurch ist die Stadt deutlich ruhiger als ich sie mir vorgestellt hatte. Relativ kykladenuntypisch sind die vielen klassizistischen Häuser. Man sieht Ermoupoli noch immer seinen vergangenen Reichtum als Handels- und Industriestadt an. Im 19. Jahrhundert war Ermoupoli die wichtigste Hafenstadt Griechenlands.

Gasse in Ermoupoli

Den ehemaligen Glanz der Stadt erahnt man am besten nördlich des Hafens im Vapori Viertel, wo die Gebäude der Reeder und Händler teils direkt an das Wasser gebaut wurden.

Vapori Viertel in Ermoupoli

Vapori Viertel

Wenn das Wetter etwas besser gewesen wäre der perfekte Platz zum Baden…

Einige sind heute Luxushotels, andere sind komplett verfallen.

Traumhafte Lage, aber die Sanierung wohl unbezahlbar...

Traumhafte Lage, aber die Sanierung wohl unbezahlbar…

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Hunderte Stufen führen hinauf in den ältesten Teil der Stadt, Ano Syros. Die Anstrengung wird mit einem großartigen Blick auf Ermoupoli belohnt.

Blick von Ano Syros auf Ermoupoli

Blick von Ano Syros auf Ermoupoli

Oben schnaufend angekommen, erwartet einen unerwartete Kykladenidylle: Schmale Gassen, weiß gekalkte Häuser, das Stadtgefühl ist plötzlich ganz weit weg.

Kykladenidylle in Ano Syros

Ano Syros

Ano Syros ist noch heute überwiegend katholisch, eine Folge des französischen Protektorats während der Osmanenzeit. Davon zeugt auch die katholische Kirche Agios Georgios. Uns haben vor allem die riesigen Energiesparlampen an den Lüstern fasziniert…

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Von Ano Syros wanderten wir zu ein paar alten verfallenen Windmühlen und genossen den wunderschönen Blick auf Ermoupoli und Ano Syros.

Blick auf Ermoupoli

Auf dem Rückweg entdeckten wir, dass an der Hauptgasse doch ein paar Tavernen und Cafés geöffnet hatten. Da konnten wir einem Aperitif mit Mezze nicht widerstehen. Die Besitzer verstanden zwar nicht wirklich wie wir bei der Kälte draußen auf der Terrasse sitzen konnten, aber der Blick war einfach zu schön, um ihn hinter Plastikfolie zu verstecken.

Für den Sonntag hatten wir uns eine Wanderung von Chalandriani nach Ermoupoli vorgenommen. In den dünn besiedelten Norden fahren keine Busse, aber die Taxis sind nicht allzu teuer. Da das Wetter morgens nicht ganz mitspielte und wir erst relativ spät loszogen, verzichteten wir auf den Abstecher nach Kastri. Der Weg war wunderschön bis wir oberhalb einer Mülldeponie ankamen.

Weg von Halandhriani

Ich hatte schon davon gelesen, aber es mir nicht ganz so schlimm vorgestellt. Über mindestens 1-2 Kilometer war der Weg mit Plastiktüten übersät und es stank teilweise recht unerträglich. Das Verbot der offenen Deponierung ist auf den Kykladen wohl noch nicht angekommen. Hier wird einem nochmal ganz klar, warum die EU über ein Plastiktütenverbot diskutiert…

Weg von Pastiktüten übersät

Weg von Pastiktüten übersät

Dafür entschädigte am Schluss der Blick auf Ermoupoli.

Blick auf Ermoupoli

Abends liefen wir zur Neorion Werft. Auf dem abgesperrten Gelände werden die großen Fähren und Containerschiffe repariert, nebenan stehen viele kleine Schiffe zur Reparatur aufgedockt. Direkt dahinter fanden wir einen kleinen Fischerhafen. Ein beeindruckendes Bild, die kleinen Fischerboote vor den Kränen der Werft.

Neorion Werft in Ermoupoli

Auf dem Heimweg fiel uns am Fischerhafen ein Restaurant auf. Es war gut besucht und aus der Tür duftete es verführerisch nach Meeresfrüchten. Zuerst gingen wir weiter, wir kamen uns irgendwie zu touristisch vor für so ein nur von Einheimischen frequentiertes Lokal. Dann erinnerte es mich aber doch zu sehr an das Restaurant in Rhodos, in dem wir so lecker und günstig Meeresfrüchte gegessen haben. Ich konnte meine Neugierde nicht zügeln und wir kehrten um. Eine gute Entscheidung! Egal was wir probierten – und wir kamen am nächsten Tag gleich nochmal – es war alles äußerst köstlich und mehr als bezahlbar. Wie froh war ich, dass wir uns umentschieden hatten!

Am Montag erkundeten wir weiter den einsamen Norden der Insel. Ein Taxi brachte uns nach Mytakas, von dort wollten wir in einem Tal zur Küste und weiter nach Kini wandern. Dieter Graf schrieb in seinem Wanderführer von einem ausgetrockneten Flussbett neben und in dem die Wanderung verlaufen sollte. Ich hatte da schon kurz Befürchtungen, dass es nach den Regenfällen nicht ganz so ausgetrocknet sein könnte…

Aber zunächst wanderten wir sehr komfortabel auf einem schmalen Betonweg der Küste entgegen und genossen die Blicke ins Tal.

Wanderung von Mytakas an die Küste

Unten angekommen empfing uns ein Bächlein mit einem romantischen Blütenmeer. Ein traumhafter Platz für eine erste Pause!

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Noch verlief der Weg neben dem Wasser. Aber es dauerte nicht lange und wir mussten mitten hindurch. Hier blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder von Stein zu Stein springen oder die Kneipmethode. Meine bessere Hälfte entschied sich für ersteres, ich sah mich schon im Wasser liegen und watete lieber durch den eiskalten Bach. Brrrr!!!

Hier war Kneipen angesagt...

Hier war Kneipen angesagt…

Es war eine traumhafte, idyllische Wanderung in absoluter Einsamkeit, aber auch nicht ganz unanstrengend. Ich war also auch nicht traurig als endlich der Strand vor uns auftauchte.

Blick auf den Varvarousa Strand

Blick auf den Varvarousa Strand

Der Varvarousa Strand ist ein hübscher Strand mit Sand und rund gespülten Steinen mit Blick auf ein vorgelagertes Inselchen. Ein traumhafter Ort, ganz für uns allein. Und gänzlich windstill. Da musste ich doch mal das Wasser testen! Es war erstaunlich warm – zumindest für Ende März – also nichts wie hinein! Warm, naja, zumindest direkt am Ufer, aber das reichte zum Plantschen…herrlich!

Anschließend folgten wir dem Weg am Ufer entlang zum Badeort Kini. Wie schön, dass dort schon eine Strandbar geöffnet war. Was gibt es besseres als einen kühlen Frappé nach einer solchen Wanderung? Da schmeckt sogar mir Nescafé, das nennt man wohl Anpassung an lokale Bräuche…

Blick auf Kini

Blick auf Kini

An unserem letzten Tag auf Syros nahmen wir den Bus und fuhren durch den Süden der Insel bis nach Galissas. Der Süden ist in Gegensatz zum einsamen Norden dicht besiedelt und die Orte erschienen mir auf den ersten Blick etwas gesichtslos. Unser Ziel war die Kapelle Agios Stephanos, die in einer Höhle am Meer liegt. Von Galissas ging es zunächst 200 Höhenmeter auf einem Fahrweg hinauf und dann auf einem schönen Monopati wieder hinunter bis fast auf Meereshöhe. Die Kapelle liegt romantisch in einer Höhle knapp über Meeresniveau. Ein schöner Ort, an dem wir gerne etwas länger geblieben wären, hätten wir nur etwas mehr Vertrauen in die Felsblöcke über uns gehabt. Aber nach dem vielen Regen in den letzten Tagen stiegen wir lieber schnell wieder hinauf…

Agios Stephanos Syros

Agios Stephanos

Agios Stephanos Syros

Ich hatte vergessen mehr zum Essen mitzunehmen als ein paar Nüsse und Pistazien, unser Magen knurrte daher deutlich als wir wieder in Galissas ankamen. Ob vielleicht schon eine Taverne geöffnet hat? Vor einer Taverne direkt am Strand, dem Iliovasilema, wurde fleißig gewerkelt. Ob den schon geöffnet sei? fragte ich auf griechisch. Do you speak German, kam die Antwort. Ääh..gefühlte 30 Sekunden später…ja. Ja, ob wir auch was essen möchten, fragte der Kellner in perfektem Deutsch. Hmm, ich muss mir wohl keine weiteren Gedanken darüber machen, ob man meinen deutschen Akzent im Griechischen sofort erkennt…Wir bejahten. Er frage mal nach, ob es schon etwas gäbe…Wir hatten Glück, er kam mit einer notierten Liste zurück, wir entschieden uns für griechischen Salat nach Art von Syros, Auberginensalat und Meeresfrüchte mit Orzo-Nudeln. Eine gute Wahl! Das Essen war nicht nur äußerst hübsch angerichtet, es war mit das beste was wir jemals auf den Kykladen gegessen hatten! Sogar das leckere Brot schien hausgemacht. Am Schluss kam sogar noch der Koch und/oder Besitzer und meinte wir seien die ersten Kunden des Jahres, die große Eröffnung sei morgen. Hatten wir ein Glück!

Griechischer Salat nach Art von Syros

Griechischer Salat nach Art von Syros

Auberginensalat

Auberginensalat

Die Orzo Nudeln mit Meeresfrüchten waren so schnell gegessen, dass ich sie nicht mehr fotographieren könnte...

Die Orzo Nudeln mit Meeresfrüchten waren so schnell gegessen, dass ich sie nicht mehr fotographieren könnte…

Einzig vor der Rechnung hatte ich noch etwas Respekt, wir hatten ja vor dem Bestellen keine Preise gesehen. Mit der Rechnung kam die freudige Überraschung. Es war nicht teurer als am ersten Abend, für die großartige Qualität geradezu günstig. Da ließen wir auch den letzten Bus vorbeifahren ohne mit der Wimper zu zucken.

Ein Taxi musste also her. In einem kleinen Anflug von Größenwahn bestellte ich es komplett auf Griechisch. Syros ist der perfekte Ort, um sein Griechisch zu verbessern. Sobald man versucht Griechisch zu sprechen, antworten einem alle auf Griechisch. Auch wenn man nicht alles versteht, wechseln sie nicht sofort ins Englische – wie auf den meisten touristischeren Inseln. Doch nach zehn Minuten wurde ich langsam unruhig. Er hatte doch gemeint es käme in acht Minuten oder hatte ich da was falsch verstanden? Aber da bog es dann doch um die Ecke, war ich stolz auf mich!

Zurück in Ermoupoli tätigten wir die letzten Einkäufe: Kapern, eingelegte Artischocken und Loukoumia aus Syros und Fava aus Schinoussa. Syros ist ein echtes Einkaufsparadies und hat uns auch sonst sehr gut gefallen! Abends bestiegen wir die Fähre Richtung Paros. Dort blieben wir nur eine Nacht und fuhren gleich am nächsten Morgen weiter für einen kurzen Zwischenstopp nach Ios.


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Kykladen 2013: Schinoussa

Lange hatte ich überlegt welche der Kleinen Kykladen mich am meisten reizt. Im Endeffekt hatte ich mich für Schinoussa entschieden, weil es durch die viele Landwirtschaft so anders wirkte und jede Menge einsamer Strände hat. Wir verbrachten drei gemächliche Tage auf Schinoussa. Es war unglaublich heiß, so dass wir nur abends ein bisschen über die Insel wanderten. Und im Vergleich zu Amorgos eignet sich Schinoussa auch nur bedingt zum Wandern, da es fast keine Monopati gibt, man daher meist auf den Staubstraßen läuft und auch nur wenige Rundwanderungen unternehmen kann. Zum Ausspannen und Baden war es hingegen perfekt.

Wir hatten uns ein schönes Studio in den Tholari Studios oberhalb des Livadi Strands gemietet (40 € pro Nacht) und verbrachten einen Großteil des Tages damit auf der Terasse zu sitzen und den wunderschönen Blick auf die Bucht zu genießen.

Blick von der Terasse der Tholari Studios

Blick von der Terasse der Tholari Studios

Der Livadi Strand war nur wenige Meter entfernt, so dass die Abkühlungim Meer nicht weit war. Deshalb hatten wir uns auch gegen eine Unterkunft im Hauptort Panagia entschieden. Dafür war der Gang zum Bäcker am späten Morgen manchmal umso schweißtreibender…

Der Livadi Strand

Der Livadi Strand

Bäcker in Panagia

Bäcker in Panagia

Gegenüber liegt eine private Halbinsel, die leider durch einen Wachturm und eine Mauer abgeschottet ist. Der ehemalige Eigentümer scheint in eines der bedeutendsten Netze für Kunstraub verwickelt gewesen zu sein und in der Villa auf der Halbinsel wurden 2006 unzählige wertvolle Antiquitäten gefunden.

Private Halbinsel

Private Halbinsel

Der Hauptort liegt in Schinoussa nicht direkt am Hafen, sondern ungefähr einen Kilometer oberhalb. Der Livadi-Strand ist wiederum ungefähr 700 Meter davon entfernt.

Abgesehen vom Hauptort Panagia gibt es nur noch einen kleinen Weiler, Messaria, der noch vor wenigen Jahren fast ausgestorben war. Inzwischen wurden viele Häuser wieder aufgebaut und scheinen auch bewohnt zu sein.

Blick auf Messaria

Blick auf Messaria

Panagia ist ein kleines, hübsches Kykladendorf, das hauptsächlich an einer Hauptgasse entlanggebaut wurde. Dort finden sich die Supermärkte, die meisten Tavernen und Unterkünfte. Vor allem abends beginnt der Ort zu leben: wenn die Einheimischen sich treffen und die Kinder spielen hat man das Gefühl noch ein relativ ursprüngliches Stück Griechenland vorzufinden.

Hauptgasse in Panagia

Hauptgasse in Panagia

Im Restaurant Kira Pothiti haben wir sehr fein gegessen. Eigentlich wollten wir noch ein zweites Mal am letzten Abend dort essen, aber dann boten uns die Eigentümer der Taverne Meltemi (bei denen wir am zweiten Abend gegessen haben) an, extra für uns ein Oktapodi Giouvetsi zu kochen, das ich gerne mal probieren wollte, aber auf keiner Karte gefunden hatte. So ein nettes Angebot kann man natürlich nicht aussschlagen!

Oktapodi Giouvetsi

Oktapodi Giouvetsi

Schinoussa ist noch sehr landwirtschaftlich geprägt. Dadurch wirkt es durch seine (Getreide-)Felder ganz anders als die meisten Kykladen. Auf der einen Seite ergeben sich wunderbare Farbspiele in der Abendsonne, andererseits wirkt es häufig auch staubig und karg.

Landwirtschaft auf Schinoussa

Landwirtschaft auf Schinoussa

Der Esel existiert zwar auch noch als Transportmittel, er wird aber immer mehr durch Autos abgelöst.

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Zum Glück bremsen die meisten freundlich, wenn man ihnen auf der Sandpiste entgegenkommt und lassen einen nicht im Staub ersticken. Für die Autofahrer wird in der Nähe von Messaria – wohl seit Jahren – eine Tankstelle gebaut. Angeblich soll sie bald eröffnet werden, ganz fertig scheint sie aber noch nicht zu sein.

Jetzt gibt es bald auch eine Tankstelle auf Schinoussa

Jetzt gibt es bald auch eine Tankstelle auf Schinoussa

Auch an vielen anderen Ecken wird fleißig gebaut. Ich befürchte die Insel wird nicht mehr sehr lange so ruhig bleiben, vor allem in der Nähe der Strände entstehen immer mehr Appartments.

Baustellen neuer Appartmentanlagen überall

Baustellen neuer Appartmentanlagen überall

Und auch die ersten Sonnenschirme und Liegestühle sind schon am Strand aufgestellt.

Ammos Strand

Ammos Strand

Es gibt aber noch genug einsame Strände, die man gerade am frühen Abend ganz oder zumindest fast für sich allein hat. Vom Strand Psili Ammos kann man über kleine Trampelpfade oberhalb der Küste zum Fikio-Strand wandern.

Psili Ammos Strand

Psili Ammos Strand

Hier findet ihr die Artikel über die anderen Kykladeninseln unserer Reise:
Amorgos – apo pu iste?
Zwischenstopp in Naxos
Santorin – das längste Hotel der Kykladen