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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen

Kykladen 2015: Syros – „Großstadt“ und Einsamkeit

19 Kommentare

Ihr habt euch vielleicht schon gefragt, warum es in den letzten Wochen so ruhig bei mir auf meinem Blog war. Zum einen hatten wir jede Menge Besuch, zum anderen waren wir zwei Wochen in Griechenland auf den Kykladen. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß vielleicht schon, dass ich ziemlich griechenlandsüchtig, bzw. besser gesagt inselsüchtig bin. Und neue Inseln gehen einem bei 113 bewohnten griechischen Inseln ja so schnell nicht aus. Nachdem wir letztes Jahr auf den Inseln des Dodekanes unterwegs waren, waren dieses Jahr wieder die Kykladen dran.

Wir hatten uns für eine Mischung aus größeren und kleineren Inseln entschieden. Die erste Station war die bei Touristen recht unbekannte Insel Syros, die jedoch mit ca. 25.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Kykladeninsel ist. Der Hauptort Ermoupoli – im Vergleich zu anderen Kykladenorten fast schon eine Großstadt – ist der Verwaltungssitz der Kykladen und Standort der Schiffswerft Neorion, so dass der Arbeitsmarkt der Insel vom ausländischen Tourismus vergleichsweise unabhängig ist. Ich war sehr gespannt wie uns die untypische Kykladeninsel wohl gefallen würde.

Wir kamen abends mit der Fähre aus Piräus an und wurden am Hafen von Maria, der netten Besitzerin der Pension Pefkakia Park abgeholt. Das Zimmer für 30€ die Nacht hatte sogar eine kleine Kochnische und einen schönen Blick vom Balkon auf den Hafen. Ein Stockwerk darüber befand sich eine für alle Gäste zugängliche Dachterrasse, mit einem traumhaften Blick über Ermoupoli. Leider war es uns dort an den meisten Tagen zu windig.

Blick von der Dachterrasse des Pefkakia Park

Blick von der Dachterrasse des Pefkakia Park

Hungrig machten wir uns gleich auf die Suche nach einem schönen Restaurant und landeten östlich vom Hauptplatz im sowohl in unserem Reiseführer (wenn auch einer alten Ausgabe) als auch auf tripadvisor empfohlenen Archontariki. Dort saßen wir wir zwar nett, das Essen war aber maximal griechisches Mittelmaß – und das dann doch zu teilweise etwas gesalzenen Preisen. 15 Euro für einen wirklich zähen gefüllten Calamar, das muss nicht nochmal sein…

Dafür genossen wir anschließend den Bummel am Hafen entlang und den Blick auf die Lichter von Ermoupoli.

Blick vom Hafen auf Ermoupoli

Blick vom Hafen auf Ermoupoli

Am nächsten Tag schlenderten wir durch die Gassen des Städtchens. Durch die Lage am Hang sind viele Gassen mit Stufen durchsetzt und nur zu Fuß begehbar. Dadurch ist die Stadt deutlich ruhiger als ich sie mir vorgestellt hatte. Relativ kykladenuntypisch sind die vielen klassizistischen Häuser. Man sieht Ermoupoli noch immer seinen vergangenen Reichtum als Handels- und Industriestadt an. Im 19. Jahrhundert war Ermoupoli die wichtigste Hafenstadt Griechenlands.

Gasse in Ermoupoli

Den ehemaligen Glanz der Stadt erahnt man am besten nördlich des Hafens im Vapori Viertel, wo die Gebäude der Reeder und Händler teils direkt an das Wasser gebaut wurden.

Vapori Viertel in Ermoupoli

Vapori Viertel

Wenn das Wetter etwas besser gewesen wäre der perfekte Platz zum Baden…

Einige sind heute Luxushotels, andere sind komplett verfallen.

Traumhafte Lage, aber die Sanierung wohl unbezahlbar...

Traumhafte Lage, aber die Sanierung wohl unbezahlbar…

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Hunderte Stufen führen hinauf in den ältesten Teil der Stadt, Ano Syros. Die Anstrengung wird mit einem großartigen Blick auf Ermoupoli belohnt.

Blick von Ano Syros auf Ermoupoli

Blick von Ano Syros auf Ermoupoli

Oben schnaufend angekommen, erwartet einen unerwartete Kykladenidylle: Schmale Gassen, weiß gekalkte Häuser, das Stadtgefühl ist plötzlich ganz weit weg.

Kykladenidylle in Ano Syros

Ano Syros

Ano Syros ist noch heute überwiegend katholisch, eine Folge des französischen Protektorats während der Osmanenzeit. Davon zeugt auch die katholische Kirche Agios Georgios. Uns haben vor allem die riesigen Energiesparlampen an den Lüstern fasziniert…

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Von Ano Syros wanderten wir zu ein paar alten verfallenen Windmühlen und genossen den wunderschönen Blick auf Ermoupoli und Ano Syros.

Blick auf Ermoupoli

Auf dem Rückweg entdeckten wir, dass an der Hauptgasse doch ein paar Tavernen und Cafés geöffnet hatten. Da konnten wir einem Aperitif mit Mezze nicht widerstehen. Die Besitzer verstanden zwar nicht wirklich wie wir bei der Kälte draußen auf der Terrasse sitzen konnten, aber der Blick war einfach zu schön, um ihn hinter Plastikfolie zu verstecken.

Für den Sonntag hatten wir uns eine Wanderung von Chalandriani nach Ermoupoli vorgenommen. In den dünn besiedelten Norden fahren keine Busse, aber die Taxis sind nicht allzu teuer. Da das Wetter morgens nicht ganz mitspielte und wir erst relativ spät loszogen, verzichteten wir auf den Abstecher nach Kastri. Der Weg war wunderschön bis wir oberhalb einer Mülldeponie ankamen.

Weg von Halandhriani

Ich hatte schon davon gelesen, aber es mir nicht ganz so schlimm vorgestellt. Über mindestens 1-2 Kilometer war der Weg mit Plastiktüten übersät und es stank teilweise recht unerträglich. Das Verbot der offenen Deponierung ist auf den Kykladen wohl noch nicht angekommen. Hier wird einem nochmal ganz klar, warum die EU über ein Plastiktütenverbot diskutiert…

Weg von Pastiktüten übersät

Weg von Pastiktüten übersät

Dafür entschädigte am Schluss der Blick auf Ermoupoli.

Blick auf Ermoupoli

Abends liefen wir zur Neorion Werft. Auf dem abgesperrten Gelände werden die großen Fähren und Containerschiffe repariert, nebenan stehen viele kleine Schiffe zur Reparatur aufgedockt. Direkt dahinter fanden wir einen kleinen Fischerhafen. Ein beeindruckendes Bild, die kleinen Fischerboote vor den Kränen der Werft.

Neorion Werft in Ermoupoli

Auf dem Heimweg fiel uns am Fischerhafen ein Restaurant auf. Es war gut besucht und aus der Tür duftete es verführerisch nach Meeresfrüchten. Zuerst gingen wir weiter, wir kamen uns irgendwie zu touristisch vor für so ein nur von Einheimischen frequentiertes Lokal. Dann erinnerte es mich aber doch zu sehr an das Restaurant in Rhodos, in dem wir so lecker und günstig Meeresfrüchte gegessen haben. Ich konnte meine Neugierde nicht zügeln und wir kehrten um. Eine gute Entscheidung! Egal was wir probierten – und wir kamen am nächsten Tag gleich nochmal – es war alles äußerst köstlich und mehr als bezahlbar. Wie froh war ich, dass wir uns umentschieden hatten!

Am Montag erkundeten wir weiter den einsamen Norden der Insel. Ein Taxi brachte uns nach Mytakas, von dort wollten wir in einem Tal zur Küste und weiter nach Kini wandern. Dieter Graf schrieb in seinem Wanderführer von einem ausgetrockneten Flussbett neben und in dem die Wanderung verlaufen sollte. Ich hatte da schon kurz Befürchtungen, dass es nach den Regenfällen nicht ganz so ausgetrocknet sein könnte…

Aber zunächst wanderten wir sehr komfortabel auf einem schmalen Betonweg der Küste entgegen und genossen die Blicke ins Tal.

Wanderung von Mytakas an die Küste

Unten angekommen empfing uns ein Bächlein mit einem romantischen Blütenmeer. Ein traumhafter Platz für eine erste Pause!

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Noch verlief der Weg neben dem Wasser. Aber es dauerte nicht lange und wir mussten mitten hindurch. Hier blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder von Stein zu Stein springen oder die Kneipmethode. Meine bessere Hälfte entschied sich für ersteres, ich sah mich schon im Wasser liegen und watete lieber durch den eiskalten Bach. Brrrr!!!

Hier war Kneipen angesagt...

Hier war Kneipen angesagt…

Es war eine traumhafte, idyllische Wanderung in absoluter Einsamkeit, aber auch nicht ganz unanstrengend. Ich war also auch nicht traurig als endlich der Strand vor uns auftauchte.

Blick auf den Varvarousa Strand

Blick auf den Varvarousa Strand

Der Varvarousa Strand ist ein hübscher Strand mit Sand und rund gespülten Steinen mit Blick auf ein vorgelagertes Inselchen. Ein traumhafter Ort, ganz für uns allein. Und gänzlich windstill. Da musste ich doch mal das Wasser testen! Es war erstaunlich warm – zumindest für Ende März – also nichts wie hinein! Warm, naja, zumindest direkt am Ufer, aber das reichte zum Plantschen…herrlich!

Anschließend folgten wir dem Weg am Ufer entlang zum Badeort Kini. Wie schön, dass dort schon eine Strandbar geöffnet war. Was gibt es besseres als einen kühlen Frappé nach einer solchen Wanderung? Da schmeckt sogar mir Nescafé, das nennt man wohl Anpassung an lokale Bräuche…

Blick auf Kini

Blick auf Kini

An unserem letzten Tag auf Syros nahmen wir den Bus und fuhren durch den Süden der Insel bis nach Galissas. Der Süden ist in Gegensatz zum einsamen Norden dicht besiedelt und die Orte erschienen mir auf den ersten Blick etwas gesichtslos. Unser Ziel war die Kapelle Agios Stephanos, die in einer Höhle am Meer liegt. Von Galissas ging es zunächst 200 Höhenmeter auf einem Fahrweg hinauf und dann auf einem schönen Monopati wieder hinunter bis fast auf Meereshöhe. Die Kapelle liegt romantisch in einer Höhle knapp über Meeresniveau. Ein schöner Ort, an dem wir gerne etwas länger geblieben wären, hätten wir nur etwas mehr Vertrauen in die Felsblöcke über uns gehabt. Aber nach dem vielen Regen in den letzten Tagen stiegen wir lieber schnell wieder hinauf…

Agios Stephanos Syros

Agios Stephanos

Agios Stephanos Syros

Ich hatte vergessen mehr zum Essen mitzunehmen als ein paar Nüsse und Pistazien, unser Magen knurrte daher deutlich als wir wieder in Galissas ankamen. Ob vielleicht schon eine Taverne geöffnet hat? Vor einer Taverne direkt am Strand, dem Iliovasilema, wurde fleißig gewerkelt. Ob den schon geöffnet sei? fragte ich auf griechisch. Do you speak German, kam die Antwort. Ääh..gefühlte 30 Sekunden später…ja. Ja, ob wir auch was essen möchten, fragte der Kellner in perfektem Deutsch. Hmm, ich muss mir wohl keine weiteren Gedanken darüber machen, ob man meinen deutschen Akzent im Griechischen sofort erkennt…Wir bejahten. Er frage mal nach, ob es schon etwas gäbe…Wir hatten Glück, er kam mit einer notierten Liste zurück, wir entschieden uns für griechischen Salat nach Art von Syros, Auberginensalat und Meeresfrüchte mit Orzo-Nudeln. Eine gute Wahl! Das Essen war nicht nur äußerst hübsch angerichtet, es war mit das beste was wir jemals auf den Kykladen gegessen hatten! Sogar das leckere Brot schien hausgemacht. Am Schluss kam sogar noch der Koch und/oder Besitzer und meinte wir seien die ersten Kunden des Jahres, die große Eröffnung sei morgen. Hatten wir ein Glück!

Griechischer Salat nach Art von Syros

Griechischer Salat nach Art von Syros

Auberginensalat

Auberginensalat

Die Orzo Nudeln mit Meeresfrüchten waren so schnell gegessen, dass ich sie nicht mehr fotographieren könnte...

Die Orzo Nudeln mit Meeresfrüchten waren so schnell gegessen, dass ich sie nicht mehr fotographieren könnte…

Einzig vor der Rechnung hatte ich noch etwas Respekt, wir hatten ja vor dem Bestellen keine Preise gesehen. Mit der Rechnung kam die freudige Überraschung. Es war nicht teurer als am ersten Abend, für die großartige Qualität geradezu günstig. Da ließen wir auch den letzten Bus vorbeifahren ohne mit der Wimper zu zucken.

Ein Taxi musste also her. In einem kleinen Anflug von Größenwahn bestellte ich es komplett auf Griechisch. Syros ist der perfekte Ort, um sein Griechisch zu verbessern. Sobald man versucht Griechisch zu sprechen, antworten einem alle auf Griechisch. Auch wenn man nicht alles versteht, wechseln sie nicht sofort ins Englische – wie auf den meisten touristischeren Inseln. Doch nach zehn Minuten wurde ich langsam unruhig. Er hatte doch gemeint es käme in acht Minuten oder hatte ich da was falsch verstanden? Aber da bog es dann doch um die Ecke, war ich stolz auf mich!

Zurück in Ermoupoli tätigten wir die letzten Einkäufe: Kapern, eingelegte Artischocken und Loukoumia aus Syros und Fava aus Schinoussa. Syros ist ein echtes Einkaufsparadies und hat uns auch sonst sehr gut gefallen! Abends bestiegen wir die Fähre Richtung Paros. Dort blieben wir nur eine Nacht und fuhren gleich am nächsten Morgen weiter für einen kurzen Zwischenstopp nach Ios.

19 thoughts on “Kykladen 2015: Syros – „Großstadt“ und Einsamkeit

  1. Toller Beitrag, tolle Fotos! Ich liebe die Kykladen, besonders Kephalonia, dein Beitrag macht richtig Reiselust!

  2. Von den Kykladen habe ich noch nie etwas gehört, aber mir scheint, als wäre das ein Ort für mich und meine Seele!!!❤ Danke für den tollen Post!

  3. Hallo Melanie,
    danke, sehr netter Eindruck von Syros!
    Muss ich doch auch mal wieder hin, das sehe ich schon. Und länger als nur ein Tag.

    Im T’Aloni warst du nicht? https://theo48.wordpress.com/1-2-griechische-inseln-m-z/greek-islands-syros/taverna-taloni-papouri/
    Da hättest du vielleicht Lothar von http://foto-spuren.de/ getroffen. Der war auch um den Dreh rum auf Syros.🙂

    Grüße,
    Katharina

    • An Papouri sind wir nur vorbeigelaufen, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass dort eine Taverne geöffnet war (ich hatte sogar an Theos Artikel gedacht). Und Syros solltest du auf jeden Fall nochmal eine Chance geben!

  4. Schöner Bericht – lädt ein zum Mitreisen…!
    Wir waren das letzte Mal auf Syros mitten im August, also in der Hochsaison.
    Uns hat es unter Griechen sehr gefallen, die Insel wird auch im Hochsommer gerne von den Athenern und anderen Inselgriechen besucht, und auch damals war der Varvarousa Strand menschenleer! Wunderschön.
    Außer in Kini und Galissas fanden wir keine anderen ausländischen Touristen.

    Also: auch der perfekte Platz, sein Griechisch mal wieder anzuwenden…

    Gruß,
    Richi

  5. der Himmel auf deinen Fotos…. zum Träumen schön!

  6. Freut mich, das Euch Syros gefallen hat. Wir waren erst im September dort – nun habe ich ein paar Vergleichfotos, wie es aussieht, wenn alles grün ist :-)) Wir wollen auch irgendwann mal im Frühjahr wieder nach Syros. Die Erfahrung, daß man dort gut griechisch üben kann, habe ich auch gemacht. Die Leute sind einfach entspannter und sehr freundlich. Das mit dem Einkaufen – ja – das kenne ich😉

    Gruß Schaliamra

  7. Auf Syros war ich vor Jahren. Ein schöner Bericht.

  8. jassou Melanie, auch wenn Syros nicht auf meiner Liste steht, kann ich mich meinen Vorrednern und Vorrednerinnen nur anschließen- toller interessanter Artikel.

    Mir hat beim Arte Bericht: Wie das Land, so der Mensch Die Kykladeninsel Syros schon das Umland/Hinterland von Ermoupolis gut gefallen.

    vg aus Hamburg, kv

    • Syros wäre es auch wert irgendwann auf deine Liste zu kommen. Aber ich kenne das ja, es gibt einfach viel zu viele Inseln…
      Liebe Grüße
      Melanie

      • Kalimera Melanie, so schnell kann es sich ändern. Mittwoch früh geht es für einen Kurztripp (6Tage) nach Syros. Deine Bilder von der Wanderung im Flußbett/Marmorbett und Varvarousa Strand haben mich ja von Anfang an sehr begeistert und mich nicht mehr losgelassen.

        3 Tage Ano Syros (Basis für Wanderungen) und 3 Tage Kini (einfach nur chillen und lesen).

        vg aus Hamburg, kv

      • Oh wie toll, da bin ich doch glatt ein bisschen neidisch! Liebe Grüße Melanie

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