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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen

Vegan backen? – ein Versuch mit der Veganista Nicole Just

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Vegan ist in – vor allem bei mir um die Ecke in Neukölln. Nach dem veganen Café haben sich inzwischen eine vegane Pizzeria, ein veganer Laden und sogar eine vegane Crêperie im Richardkiez angesiedelt. Zu meiner Schande habe ich noch kein einziges Mal den Kuchen im Café Vux probiert – obwohl es einen guten Ruf hat. Meine bisherigen wenigen Erfahrungen mit veganem Backwerk hatten mich nicht überzeugt: zu fest und klitschig waren die Teige. Daher war ich sehr gespannt, als mich das Team vom Gräfe und Unzer Verlag zum veganen Backen mit Nicole Just einlud. Ob die Kuchen diesmal richtig locker würden? Die Fotos in ihrem neuen Buch „La Veganista backt“ sahen zumindest schon sehr vielversprechend aus.

Das Gräfe und Unzer Team lud am Freitagabend vor dem gemeinsamen Backen zum Austausch in das vegane Restaurant Kopps in Berlin Mitte ein. Eine Reaktion auf das letzte Bloggerevent, wo etwas mehr Zeit für den inhaltlichen Austausch gewünscht wurde – eine wirklich tolle Idee! Und auch ein Zeichen dafür, dass sich das GU-Team für einen wirklichen Austausch mit den BloggerInnen interessiert – was sich im Laufe unserer interessanten Gespräche weiter bestätigen sollte. Neben dem Kennenlernen der GU-Mitarbeiterinnen und Einblicken in die Verlagsarbeit, war es spannend die anderen BloggerInnen kennenzulernen. GU hatte eine bunte Mischung an veganen und vegetarischen Blogs, aber auch Blogs mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit oder Familie eingeladen. Die Gespräche wurden untermalt von einem mehrgängigen veganen Menü. Besonders haben mir der eingelegte Kohl mit den Linsenkräckern und die Tomatensuppe mit frischen Feigen gefallen, eine wunderbare Geschmackskombination, die ich mir unbedingt merken werde! Und auch das Zitronengras im Rote Bete Risotto gibt einen unterwarteten, frischen Geschmack, der auf jeden Fall nachkochenswert ist. Schade nur, dass die Konsistenz des Risottoreises leider nicht mit dem Aroma mithalten konnte…Ganz gespannt war ich natürlich auf das Dessert, vor allem als uns ein Mohn-„Käse“-Kuchen serviert wurde. Naja, was soll ich sagen…es hat meine Vorurteile gegenüber veganen Kuchen nicht gerade ausgehebelt…Die Masse war eine recht feste, stärkehaltige Angelegenheit und erinnerte mehr an einen zu fest gewordenen Pudding als an einen Käsekuchen…Aber vielleicht würde am nächsten Tag ja alles besser werden?

Essen im Kopps

Am Samstag wurden wir in der Kochschule Berlin in Biesdorf willkommen geheißen. Allem Unken zum Trotz war ich sogar schneller in Biesdorf als am Vortag in Berlin Mitte. Nicole Just erwartete uns schon mit einem leckeren grünen Smoothie zur Stärkung. Und auch für einen herzhaften Snack war gesorgt: ein dampfender Flammkuchen – bzw. aufgrund der Teigdicke eher eine vegane Pizza – kam aus dem Ofen.

Nicole Just führte uns sogleich ein in die Geheimnisse des veganen Backens. Nicole ist Bloggerin (Vegan Sein) und Betreiberin des Dinner Clubs Mund Art Berlin. Sie hat durch langes Experimentieren ausprobiert, durch welche vegane Zutat bei welchem Teig tierische Zutaten am besten ersetzt werden können, um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Besonders spannend fand ich wie Eier ersetzt werden können, wenn man keinen künstlichen Eiersatz verwenden will. Mit Sojajoghurt und Mineralwasser könne man zum Beispiel binden, feucht halten und auflockern. Das klang ja schon mal vielversprechend!

Backen mit Veganista Nicole Just

Und schon ging es los ans Abwiegen, Mischen und Rühren. Nicole hatte für uns die Donauwellen-Cupcakes, die Kokosmakronen und die bunte Stachelbeertorte ausgewählt. Bei der Stachelbeertorte verwendet Nicole für den Teig rote Lebensmittelfarbe, da ich ja kein großer Fan künstlicher Farben bin, würde ich mir eher mit etwas Safran oder roter Bete behelfen. Spannend wurde es, als die Teige in den Ofen kamen. Ob sie wohl wirklich richtig aufgehen und zusammenhalten so ganz ohne Ei? Und siehe da: In Punkto Luftigkeit wollten sie sich nicht lumpen lassen und standen „normalen“ Teigen in nichts nach.

Beim Frosting lassen sich die Milchprodukte recht einfach durch Pflanzenprodukte ersetzen. Natürlich schmeckt Margarine nicht genau wie Butter – aber da ich insgesamt kein großer Cupcake-Fan bin, kann ich nicht sagen, ob das vegane Frosting besser oder schlechter war als ein herkömmliches. Genauso hübsch sah es auf jeden Falls aus!

Backen mit Veganista Nicole Just

Der Teig der Stachelbeertorte war beim Füllen etwas empfindlicher als ein nicht veganer Teig, man sollte daher beim Hochheben des Deckels gut aufpassen. Sonst sah er aber wirklich aus wie ein normaler Tortenboden! Die Stachelbeeren waren mir persönlich als Füllung etwas zu feucht für den Teig, aber das lag vielleicht auch daran, dass wir ihn aus Zeigründen noch warm füllen mussten.

Zum Schluss kamen die Kokos-Makronen an die Reihe. Ja ihr habt richtig gehört, Makronen, diese kleinen luftigen Gebilde aus Eiweiß und Zucker. In diesem Fall wurde das Eiweiß unter anderem durch Tapiokastärke und Pflanzensahne ersetzt. Sie sahen zwar den „echten“ Makronen zum Verwechseln ähnlich, erinnerten mich aber durch die Stärke eher an japanische Moschis. Da ich diese ja auch sehr gerne mag, aber kein Grund der dagegen spricht 😉 Die Exemplare, die wir in einem Tütchen mit nach Hause bekamen waren dann auch schnell gegessen. Nur die Pflanzensahne möchte ich mit ihren künstlichen Inhaltsstoffen lieber nicht verwenden, aber scheinbar funktioniert die Biopflanzensahne nur halb so gut. Manchmal gibt es eben nur die Wahl zwischen zwei Übeln.

Insgesamt war ich wirklich überrascht, wie locker und luftig die veganen Teige daherkamen. In Zukunft gilt das Label „vegan“ bei mir nicht mehr als Ausrede für klitschige Teige ;-). Geschmacklich merkt man schon eher den Unterschied, wobei es mich gerade bei der Stachelbeertorte nicht gestört hat – der Geschmack der Kokosmilch setzt dem fehlenden Ei genug entgegen. Bei den Cupcakes fehlte mir schon eher der Geschmack und die Konsistenz des Eies – aber vegan backt man ja schließlich auch aus anderen Gründen als nur dem Geschmack zuliebe – und zumindest fällt hier der Verzicht ziemlich leicht.

Und vielleicht muss ich doch irgendwann mal noch den Zebra-Käsekuchen mit Erdbeeren ausprobieren – allein um zu sehen, ob veganer Käsekuchen immer so fest und puddingartig sein muss. Bei Claudia sah er ja schon ganz vielversprechend aus!…Allen Veganern und allen, die öfter mal vegan backen wollen, kann ich das Buch auf jeden Fall sehr ans Herz legen! Und beim GU-Verlag möchte ich mich nochmal ganz herzlich für die Einladung und den Austausch bedanken!

Weitere Berichte über das Backen mit Nicole Just findet ihr hier:
Food with a view
A very vegan Life
Beechange
Kikabu
Vegtastisch

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12 Kommentare zu “Vegan backen? – ein Versuch mit der Veganista Nicole Just

  1. Genau das wäre auch einer meiner ersten Fragen: wie ersetzt man das Ei in Teigen (nicht nur süß, sondern etwa auch bei Knödeln ect.). Ein großer Fan von Sojaprodukten bin ich leider nicht, noch viel weniger von Margarine – aber vermutlich kommt man als Vollzeit-Veganer um beides nicht herum. Dennoch freue ich mich immer wieder über Anregungen aus der *tierfrei* Ecke, um zu schauen, was ich für uns integrieren kann.

  2. Ich muss zugeben, dass ich mir veganes Backen überhaupt nicht vorstellen kann. Aber bezüglich der Anregungen geht es mir wie Micha. 🙂
    Liebe Grüße,
    Eva

  3. Wow das sieht soooo unglaublich lecker aus.

  4. Was für ein spannender Bericht! Danke. Da ich das Buch berufsbedingt sozusagen in- und auswendig kenne, 😉 finde ich es toll, die Backwerke mal „in echt“ und „in Aktion“ zu sehen.

  5. Also, das ist ja mal ein richtig interessanter Bericht! Ich bin wirklich bemüht, keine Vorurteile zu haben. Aber wenn ich Pflanzensahne und Margarine lese … Nein, danke! Das kommt für mich nicht infrage! Das hat für mich nichts gesundes mehr. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass es viele ‚Ersatzteile‘ gibt, die auch sehr gut schmecken. Danke für den sachlichen Bericht!
    Liebe Grüße Maren

  6. So schön, dass wir diese Versuchsreihe im veganen Backen zusammen erleben konnten, liebe Melanie. Ich bin gespannt auf weitere Experimente. Liebe Grüße – und vielleicht bis bald mal im veganen Café bei Dir um die Ecke :-).

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