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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen

Rezension: Slow Food Genussführer Deutschland 2014

4 Kommentare

In Italien ist er schon eine Institution: der Slow Food Restaurantführer „Osterie d’Italia“ hat in mehr als zwanzig Jahren nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass in vielen kleinen Osterie wieder frisch und regional gekocht wird. Jetzt erschien der Restaurantführer zum ersten Mal für Deutschland und hat natürlich sofort mein Interesse geweckt. Ihr wisst ja, dass mir saisonale und regionale Lebensmittel am Herzen liegen. Ich finde es ärgerlich im Restaurant fertige Metro-Saucen serviert zu bekommen oder auch nur Spargel im Dezember auf der Speisekarte zu finden…

Slow Food Genussführer 2014

Slowfood Deutschland e.V. hat für den Slowfood Genussführer Deutschland 2014 mit seinen Mitgliedern 300 Restaurants zusammengetragen, die frische und regionale Küche bieten. Die Kriterien für die Auswahl haben mich sofort überzeugt:

Ausgewählt wurden Restaurants

– wo die angebotenen Speisen sinnlichen Genuss bereiten und sich vom Massengeschmack deutlich abheben,
– in denen frische und saisonale Grundprodukte aus der Region auf handwerkliche Art und Weise verarbeitet werden,
– in denen der Koch bewusst auf den Einsatz von Aromastoffen, Zusätzen und Geschmacksverstärkern verzichtet,
– in denen die Gerichte in der jeweiligen Region beheimatet sind und manchmal dadurch vor dem Vergessen bewahrt werden,
– und die darüber hinaus auch noch bezahlbar sein sollten.

Der Genussführer ist nach Bundesländern aufgebaut. Am Anfang jedes Kapitels findet sich eine Karte mit den eingezeichneten Orten, was ich sehr praktisch finde, da wohl viele Leute keine so geographischen Leuchten sind, dass sie jedes Dorf sofort verorten können. Die Gasthäuser innerhalb eines Bundeslandes sind alphabetisch nach Orten sortiert und ausführlich beschrieben. Für jedes Restaurant wurde eine ganze Seite reserviert, so dass für eine ausführliche Beschreibung genug Platz ist. Von der Lage über das Gebäude und die Herkunft der Zutaten bis zur Speisekarte mit Beispielen werden die Restaurants detailliert beschrieben. Obwohl natürlich bei der regionalen Küche auch viel Fleisch auf den Teller kommt, bekam ich sofort Lust loszufahren und eines der Restaurants auszuprobieren.

Bei der Suche nach einem Versuchskaninchen in Berlin wurde ich aber leider enttäuscht: kein einziges der 300 Restaurants liegt in der Hauptstadt! Brandenburg ist zwar erstaunlich gut vertreten, so dass ich nächstes Jahr unsere Radtouren wohl um die Restaurants herumplanen werde ;-), aber kein einziges Restaurant in Berlin zu finden hat mich dann doch erstaunt. An der regionalen Verteilung und an der Beseitigung der weißen Flecken auf der Landkarten werden die Herausgeber bei den nächsten Ausgaben noch arbeiten – versprochen haben sie das im Vorwort zumindest. Insgesamt ist Deutschlands Norden deutlich schlechter vertreten als der Süden – angesichts meiner eigenen Erfahrungen in manchen deutschen Regionen kann ich das zwar teilweise durchaus nachvollziehen – aber zumindest ein gutes, regionales Restaurant müsste doch in Sachsen-Anhalt aufzutreiben sein…

Bei den Restaurants werden neben der Beschreibung zu Anfang die wichtigsten praktischen Informationen zusammengefasst. Neben der Adresse, Telefonnummer und Webseite werden auch die Öffnungszeiten, die Anzahl der Plätze (drinnen und draußen) und sogar die Barrierefreiheit angegeben. Da bleiben keine Wünsche mehr offen.

Bei manchen Orten wurden zusätzlich auch noch Einkaufstipps gegeben, ein schöner Einfall wie ich finde. So findet sich auch ein Hinweis auf meinen Lieblingskäseladen in Kempten „Jamei Laibspeis“. Leider schreiben sie jedoch dabei nicht dazu, dass der Laden nur zweimal die Woche geöffnet ist, aber das ist dann wohl ein Detail für das man lieber nochmal im Internet nachsieht.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt mir noch zum Schluss: Bei einem Buch, das 19,90 kostet, halte ich acht Seiten Werbung in der Mitte nicht für nötig, zumindest hätte sie am Ende des Buches unauffälliger untergebracht werden können.

Insgesamt ist Slow Food mit dem Genussführer jedoch ein sehr spannendes Projekt gelungen, das hoffentlich genausoviel Erfolg haben wird wie das italienische Vorbild. Jetzt müsst nur noch ihr mithelfen, den Gaststätten, die frische, regionale und hausgemachte Küche hochhalten, den Erfolg zu verschaffen, den sie verdienen!

Ein schönes Interview mit dem Leiter der Genussführerkommission Wieland Schnürch über das Buch findet ihr hier: https://www.slowfood.de/aktuelles/aktuelles_2013_artikelseiten/interview_schnuerch_genussfuehrer/

Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Slow Food Deutschland e.V. (Hrsg.):
Slow Food Genussführer Deutschland 2014
ca. 344 Seiten, 12cm x 21,5cm
ISBN 978-3-86581-439-5
19.95 EUR, 20.60 EUR (A), CH 27.90
oekom verlag
Erhältlich auch als E-Book

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4 Kommentare zu “Rezension: Slow Food Genussführer Deutschland 2014

  1. würde mich direkt interessieren ob und wenn ja welche Restaurants von hier drinstehen- slow food ist hier ein ziemliches Thema.

    • Du kommst aus Herrenberg, stimmt das? In Herrenberg hat es ein Restaurant in den Restaurantführer geschafft, das „Fachwerk“, das mir aber aufgrund der Beschreibung weniger regional ausgerichtet erscheint als andere im Restaurantführer. Kennst du das und wenn ja, was hälst du davon?

  2. Ein Spannender Gorumet-Führer und eine ebenso spannende Rezension von Dir! Dass in Berlin nix dabei ist, finde ich genau wie Du nicht nachvollziehbar – man kann hier inzwischen sehr gut regional, saisonal und slow essen gehen, und tollerweise klappt das sogar bis hinunter auf Imbiss-Ebene. Das wundert mich besonders vor dem Hintergrund, dass Slow Food auch eine Berliner Sektion hat – an mangelnden Ortskenntnissen kann es also kaum liegen…

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