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Vom (vegetarischen) Essen und Reisen

Mexikanisches Essen – vegetariana con excepciones

12 Kommentare

Wie kann man nur  in Mexiko als Vegetarierin überleben wurde ich immer wieder – auch von Mexikanern – gefragt. Sehr gut sogar – aber nur wenn man mindestens ein Auge zudrückt! Selbst viele Mexikaner sind der Meinung, dass es kaum Gemüse in der mexikanischen Küche gibt. Es stimmt zwar, viele Gerichte sind sehr fleischlastig, aber gerade die traditionelle indigene Küche hat auch viel Gemüse zu bieten. Um als VegetarierIn in Mexiko glücklich zu werden, sollte man jedoch so manchen Anspruch zeitweise über Bord schmeisen: Ihr werdet kaum eine Suppe oder Soße finden, die nicht auf Basis von Hühnerbrühe hergestellt ist, und auch an das beliebte Bohnenmus (Frijoles) wird gerne Schweineschmalz gegeben. Außerdem sollte man immer klar sagen, dass man kein Fleisch UND kein Hühnchen isst, denn für viele Mexikaner ist Hühnchen kein Fleisch und dementsprechend erwarten sie, dass Vegetarier Hühnchen essen! Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich bei den Eltern einer Freundin zum Essen eingeladen war und sie extra für mich als Vegetarierin Hühnchen gekocht haben…

In Mexiko Stadt könnte ich mich den ganzen Tag von Straßenstand zu Straßenstand hangeln. Quesadillas de flor de calabaza (Maistortillas mit Käse und Kürbisblüten gefüllt), Quesadillas de huitlacoche (ein Pilz der im Mais wohnt), Tlacoyos, Tamales de rajas con queso und so fort…mir läuft schon beim Gedanken daran das Wasser im Mund zusammen! Ein Rezept für Quesadillas habe ich hier schon verbloggt, weitere werden sicherlich noch folgen. Im Video seht ihr einen typischen Straßenstand in Mexiko-Stadt, nur um euch einen kleinen Eindruck zu geben, auch wenn die Qualität des Filmchens nicht top ist.

An jeder Straßenecke gibt es frische, mundgerecht geschnittene Früchte mit Chili und Zitrone (auch wenn die Kombination zuerst mal seltsam klingt, es ist sehr lecker! Normalerweise wird dafür ein Chili verwendet, der nicht sehr scharf ist). Leider war diesmal die Mangozeit schon fast vorbei…und dann die großartigen frisch gepressten Säfte – nichts geht über Orange mit Mango und Erdbeere! Aber immer Vorsicht, dass sie nicht noch Zucker in den frischen Saft schmeißen, Mexikaner lieben es zuckersüß…Frische Säfte in Mexiko

In Oaxaca ging das Schlemmen auf unserer letzten Mexikoreise weiter. Wir übernachteten bei einem mexikanischen Ehepaar mit denen wir einen Haustausch organisiert hatten. Da sie aber erst etwas später nach Deutschland flogen, waren sie während unseres Besuchs noch da und verwöhnten uns – zusammen mit ihrer Köchin – unglaublich! Bei ihnen lernte ich Avocadoblätter und Hoja Santa als Gewürze kennen. Ich muss unbedingt bald mal das Rezept für die wunderbare schwarze Bohnensuppe mit Avocadoblättern verbloggen! (Nachtrag: hier ist das Rezept)

In Oaxaca sind die Tortillas ungefährt dreimal so groß wie im restlichen Land und werden für die „Pizza“ aus Oaxaca, die sogenannten „Tlayudas“ verwendet. Sie bestehen aus einer knusprigen Maistortilla belegt mit Bohnenmus, Avocados, Tomaten, grünem Salat und entweder Käse oder Fleisch oder – besonders lecker – am Strand mit frischem Fisch. Das Rezept für die Basisversion findet ihr hier. Köstlich!Tortillas aus Oaxaca

Wir wurden einmal zu einer Zapoteken Familie eingeladen, die uns selbstgemachte Tamales servierte. Natürlich auch wieder mit Hühnchen. Da man bei einer solchen Einladung natürlich nicht ablehnen kann, tröstete ich mich damit, dass es mit Sicherheit ein sehr glückliches Huhn war😉 Auf die Frage, ob sie alles dafür selbst angebaut haben, meinte Dona Elena ganz bescheiden: Ja, bis auf das Salz…Sie zeigte uns auch die Handhabung eines ihrer zwölf verschiedenen „Metates“ (Mörser), die alle für verschiedene Zutaten und Zubereitungen vorgesehen sind:Metate

Es gibt aber auch gewöhnungsbedürftigere Spezialitäten in Oaxaca. Wenn man wieder nach Oaxaca zurückkommen möchte, sollte man mindestens einmal „Chapulines“ gegessen haben, das sind mit Chili und Zitrone marinierte knusprige Heuschrecken, eine Spezialität, die auf allen Märkten in verschiedensten Größen angeboten wird. Die ganz kleinen Grashüpfer lassen sich noch relativ problemlos verspeisen, die größeren finde ich schon sehr gewöhnungsbedürftig…Chapulines

Habt ihr schon mal Steinsuppe gegessen? Caldo de Piedra ist eine traditionelle Suppe aus einem Dorf in den Bergen Oaxacas, die in einem Restaurant in der Nähe der Stadt Oaxaca serviert wird. Es handelt sich um eine Fisch- oder Garnelensuppe, in die glühend heiße Steine geworfen werden, die die Zutaten zum Kochen bringen. Dadurch werden die Zutaten nur kurz gekocht und bleiben wunderbar frisch! Caldo de Piedra

Die Fischsuppe war nur ein kleiner Vorgeschmack auf den großartigen Fisch, den es überall an Oaxacas Stränden gab! Die Meere scheinen in Mexiko wohl noch nicht ganz so leergefischt zu sein wie in Europa, die kleinen Fischerboote kamen mit gutem Fang zurück. Die Rezepte in den „Palapas“, den Strandrestaurants sind einfach, aber köstlich. Meine Lieblingszubereitungsart für Fisch und Garnelen ist „a la Veracruzana“, auch wenn sie aus dem Nachbarstaat Veracruz stammt, ich werde es demnächst mit euch hier teilen!(Nachtrag: hier ist er) IMG_3964

Auf dem Markt in Puebla (das ja nicht einmal an der Küste liegt) wurden die Fische mit hochgeklappten Kiemen verkauft, damit man sehen kann wie frisch der Fisch ist. Hier wurde mir klar, was damit gemeint ist wenn es heißt, dass man frischen Fisch an den roten Kiemen erkennt. In Deutschland kann man diese ja beim Kauf leider nie sehen und ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie jemals so rot waren…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOaxaca gilt als das Land der sieben Moles. Mole heißt zunächst einmal einfach Soße und wird entweder zu Fleisch oder mit Tortillas als Enmoladas/Enchiladas de mole serviert. Die bekanntesten Moles sind der Mole negro aus Oaxaca und der Mole poblano aus Puebla. Beide bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Chiles, Schokolade und unzähliger anderer Zutaten und schmecken scharf und leicht süßlich. Da es so unglaublich aufwendig ist Mole selbst herzustellen, werden sie auf den Märkten fertig als Pasten verkauft. Wir haben uns gut damit eingedeckt. Wenn unsere Vorräte aufgebraucht sein sollten, werden ich mich zumindest am Mole Coloradito (hat nur eine Chilisorte und ist daher machbar…) und am Mole pipian verde (mit Kürbiskernen) selbst versuchen und euch natürlich daran teilhaben lassen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Typisch für Oaxaca ist auch die leckere heiße Schokolade. Sie wird direkt aus Kakaobohnen, Zimt, Mandeln und Zucker gemahlen und man kann sie noch in flüssigem, warmem Zustand mitnehmen. Sobald sie etwas abgekühlt ist, wird sie fest und man kann man sie zu Kugeln formen, die man dann in heißer Milch oder Wasser auflöst. Da die Mexikaner selbst in die „bittere“ Version Unmengen Zucker geben, habe ich sie ganz ohne Zucker gekauft, das sparte auch etwas Gewicht, mein Rucksack war sowieso schon viel zu voll für die Heimreise😉OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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12 thoughts on “Mexikanisches Essen – vegetariana con excepciones

  1. Was für ein schöner kulinarischer Reisebericht; danke fürs Erzählen🙂.

  2. Danke für Deinen Hinweis auf diesen Artikel – der vermittelt einem einen tollen Eindruck nicht nur von der mexikanischen Küche, sondern auch von den Orten, an denen sie „stattfindet“! Eine echte Inspiration – ich habe nur gerade überhaupt keine Idee, wo ich nach Zutaten für die mexikanische Küche suchen könnte. Ist ein ganz neues Feld für mich, da muss ich mal schauen.

    • Du wohnst auch in Berlin, nicht wahr? Zutaten für mexikanisches Essen kannst du entweder in der Spanischen Quelle in der Markgrafenstraße 68 oder bei Aqui España in der Kantstraße 34 finden, die neben spanischen auch lateinamerikanische Produkte verkaufen. Mehr Auswahl findest du in diversen mexikanischen Onlineshops (Mex-Al, la Tortilla etc.). Ich werde mit der Zeit mit Sicherheit noch ein paar mehr mexikanische Rezepte posten.

  3. Wir fahren jedes Jahr im Winter auf die Yukatan Halbinsel, um 2 Wochen Sonne, Wasser, Maya-Ruinen und gute Essen zu geniessen – für uns ist Mexiko ja so schnell erreichbar wie für euch Spanien. Ich liebe mexikanisches Essen, hab allerdings bisher nur Pan de Muerto selbst gebacken.
    Schön, deinen Reisebericht zu lesen, und dann das passende Rezept dazu.

  4. Tolle kulinarische Reise, liebe Mangoseele! Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht. GLG

  5. Tolle Fotos! Ich mag das so mit Menschen bei der Arbeit.🙂

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